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Hoheit und Liebe

Friedrich von Hagedorn


 

  Monarch im Reiche stolzer Toren,
  Dich, hohes Glück, verehr' ich nicht!
  Mir ward in Phyllis mehr geboren,
  Als alles, was dein Tand verspricht
5 Der Traum der Wachenden, die Ehre,
  Der Sklavenstand der Eitelkeit,
  Schließt dein Gefolg' an Höf' und Heere,
  Bis es der letzte Schlaf befreit
   
  Das Recht, mein Herze zu entzücken
10 Und meiner Wünsche Ziel zu sein,
  Räum' ich nur einer Phyllis Blicken,
  Nur Ihrer seltnen Schönheit ein
  Wie stolz war ich, Sie zu gewinnen!
  Auch dieser Ruhm verewigt sich
15 Beneidet Sie, ihr Königinnen!
  Und, Könige! beneidet mich
   
  O Phyllis, Seele meiner Lieder!
  Mich reizt kein himmelhoher Flug
  Mich liebest du, dich lieb' ich wieder
20 Sind wir nicht beide froh genug?
  An treuer Brust, an treuer Seiten
  Macht uns die Liebe groß und reich
  Ach sei, an wahren Zärtlichkeiten,
  Unendlich jener Taube gleich!
   
25 Den Adler sah die Turteltaube,
  Die in der Stille girrt und liebt,
  Wie ihn Gewalt und Mut zum Raube
  In königlichen Taten übt
  Sie sah ihn Sieg und Ehre finden,
30 Dem Kranich stolz entgegen ziehn,
  Sich heben, kämpfen, überwinden,
  Und alle Vögel vor ihm fliehn  
 
   Arbeitsanregungen:
  1. Interpretieren Sie das Gedicht.
  2. Arbeiten Sie dabei das Weltbild von Friedrich von Hagedorn und seiner Literaturepoche heraus.

 

  
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