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Der Tag der Freude

Friedrich von Hagedorn


 

  Ergebet euch mit freiem Herzen
  Der jugendlichen Fröhlichkeit:
  Verschiebet nicht das süße Scherzen,
  Ihr Freunde, bis ihr älter seid
5 Euch lockt die Regung holder Triebe;
  Dies soll ein Tag der Wollust sein:
  Auf! ladet hier den Gott der Liebe,
  Auf! ladet hier die Freuden ein  
   
  Umkränzt mit Rosen eure Scheitel
10 (Noch stehen euch die Rosen gut)
  Und nennet kein Vergnügen eitel,
  Dem Wein und Liebe Vorschub tut
  Was kann das Totenreich gestatten?
  Nein! lebend muss man fröhlich sein
15 Dort herzen wir nur kalte Schatten:
  Dort trinkt man Wasser, und nicht Wein
   
  Seht! Phyllis kommt: O neues Glücke!
  Auf! Liebe, zeige deine Kunst,
  Bereichre hier die schönsten Blicke
20 Mit Sehnsucht und mit Gegengunst
  O Phyllis! glaube meiner Lehre:
  Kein Herz muss unempfindlich sein
  Die Sprödigkeit bringt etwas Ehre;
  Doch kann die Liebe mehr erfreun
   
25 Die Macht gereizter Zärtlichkeiten,
  Der Liebe schmeichelnde Gewalt,
  Die werden doch dein Herz erbeuten;
  Und du ergibst dich nicht zu bald
  Wir wollen heute dir vor allen
30 Die Lieder und die Wünsche weihn
  O könnten Küsse dir gefallen
  Und deiner Lippen würdig sein!
   
  Der Wein, den ich dir überreiche,
  Ist nicht vom herben Alter schwer
35 Doch, dass ich dich mit ihm vergleiche,
  Sei jung und feurig, so wie er
  So kann man dich vollkommen nennen:
  So darf die Jugend uns erfreun,
  Und ich der Liebe selbst bekennen:
40 Auf Phyllis Küsse schmeckt der Wein

 

 
   Arbeitsanregungen:
  1. Interpretieren Sie das Gedicht.
  2. Arbeiten Sie dabei das Weltbild von Friedrich von Hagedorn und seiner Literaturepoche heraus.

 

  
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