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Die verliebte Verzweiflung

Friedrich von Hagedorn


 

  Gewiss! der ist beklagenswert,
  Den seine Göttin nicht erhört;
  Dem alle Seufzer nichts erwerben
  Er muß fast immer schlaflos sein,
5 Und weinen, girren, winseln, schrein,
  Sich martern und dann sterben
   
  Grausame Laura! rief Pedrill,
  Grausame! die mein Unglück will,
  Für dich muss ich noch heut' erblassen
10 Stracks rennet er in vollem Lauf
  Bis an des Hauses Dach hinauf,
  Und guckt dort in die Gassen
   
  Bald, als er Essen sah und roch,
  Befragt' er sich: Wie! leb' ich noch?
15 Und zog ein Messer aus der Scheiden
  O Liebe! sagt' er, deiner Wut
  Weih' ich den Mordstahl und mein Blut:
  Und fing an, Brod zu schneiden
   
  Nach glücklich eingenommnem Mahl
20 Erwägt er seine Liebesqual,
  Und will nunmehr durch Gift erbleichen
  Er öffnet eine Flasche Wein,
  Und läßt, des Giftes voll zu sein,
  Sich noch die zweite reichen
   
25 Hernach verflucht er sein Geschick,
  Und holet Schemel, Nagel, Strick,
  Und schwört, nun soll die Tat geschehen
  Doch, ach! was kann betrübter sein!
  Der Strick ist schwach, der Nagel klein,
30 Der Schemel will nicht stehen
   
  Er wählt noch eine Todesart,
  Und denkt: Wer sich erstickt, der spart,
  Und darf für Gift und Strick nicht sorgen
  Drauf gähnt er, seufzet, eilt zur Ruh,
35 Kriecht in sein Bett und deckt sich zu,
  Und schläft bis an den Morgen.

 

 
   Arbeitsanregungen:
  1. Interpretieren Sie das Gedicht.
  2. Arbeiten Sie dabei das Weltbild von Friedrich von Hagedorn und seiner Literaturepoche heraus.

 

  
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