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Der Traum

Friedrich von Hagedorn


 

  Ich schlief in einem Garten,
  Den Ros' und Myrthe zierten,
  In dem drei holde Schönen
  Den halbentblößten Busen
5 Mit frischen Blumen krönten,
  Die jede singend pflückte
  Bald gaukelten die Spiele
  Des Stifters leichter Träume
  Mir um die Augenlider,
10 Und mich versetzten Morpheus
  Und Phantasus, sein Bruder,
  Ans Ufer von Cythere
  Der bunte Frühling färbte
  Die Blumen dieser Insel;
15 Der leichte Zephyr küsste
  Die Pflanzen dieser Insel;
  Und sein Gefolge wiegte
  Die Wipfel dieser Insel
  Wie manches Feld von Rosen,
20 Wie mancher Busch von Myrthen
  War hier der Venus heilig!
  Der Göttin sanfter Freuden,
  Der Freuden voller Liebe,
  Der Liebe voller Jugend
25 Ich sah die Huldgöttinnen,
  Geführt vom West und Frühling,
  Gefolgt von Zärtlichkeiten,
  Mit Rosen sich umkränzen,
  Sich Mund und Hände reichen
30 Und ohne Gürtel tanzen
  Und bei den Tänzen lachen
  Hier fand ich auch den Amor,
  Der seine Flügel sonnte,
  Die ihm vom Tau befeuchtet
35 Und so betröpfelt waren,
  Als da er seinen Dichter
  Anacreon besuchte
  Er wollte von mir wissen,
  Wer von den holden Dreien
40 Bei mir den Vorzug hätte,
  Als mich von jenen Schönen,
  Die sich die Blumen pflückten,
  Die Schönste lächelnd weckte.

 

 
   Arbeitsanregungen:
  1. Interpretieren Sie das Gedicht.
  2. Arbeiten Sie dabei das Weltbild von Friedrich von Hagedorn und seiner Literaturepoche heraus.

 

  
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