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Andreas Gryphius

Tränen des Vaterlands


Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret!
Der frechen1  Völker Schar, die rasende Posaun
Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Karthaun2
Hat aller Schweiß, und Fleiß, und Vorrat aufgezehret.

Die Türme stehn in Glut, die Kirch' ist umgekehret.                 5
Das Rathaus liegt im Graus3 , die Starken sind zerhaun,
Die Jungfern sind geschänd't, und wo wir hin nur schaun
Ist Feuer, Pest, und Tod, der Herz und Geist durchfähret.

Hier durch die Schanz und Stadt rinnt allzeit frisches Blut.     10
Dreimal sind schon sechs Jahr, als unser Ströme Flut
Von Leichen fast verstopft, sich langsam fort gedrungen4 .

Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod,
Was grimmer5  denn die Pest, und Glut und Hungersnot,
Dass auch der Seelen Schatz so vielen abgezwungen.6          15
 

 

1 frech: dreist, unverschämt
2 Karthaun: schweres Geschütz
3 Graus: Staub
4 fließen
5 schlimm
6 wegnehmen


   Arbeitsanregungen:

Interpretieren Sie das Gedicht von Andreas Gryphius (1618 - 1664).

  1. Beschreiben Sie dazu die äußere Form des Gedichtes.

  2. Zeigen Sie auf, welche typischen Gedanken und Motive der Barockliteratur von Gryphius verwendet werden.

  3. Untersuchen Sie das Hauptmotiv und seine antithetische Gestaltung.

  4. Worin sehen Sie die Aussage des Gedichtes?
    Ziehen Sie dazu auch einen Augenzeugenbericht aus dem Dreißigjährigen Krieg heran.

  

  
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