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Andreas Gryphius

Ebenbild unseres Lebens


Der Mensch, das Spiel der Zeit, spielt, weil1 er allhie lebt
im Schauplatz dieser Welt; er sitzt, und doch nicht feste.
Der steigt, und jener fällt, der suchet die Paläste
und der ein schlechtes Dach; der herrscht, und jener webt.

Was gestern war, ist hin; was itzt das Glück erhebt,
wird morgen untergehn; die vorhin grüne Äste
sind nunmehr dürr und tot; wir Armen sind nur Gäste,
ob2 den' ein scharfes Schwert an zarter Seide schwebt.

Wir sind zwar gleich am Fleisch, doch nicht vom gleichem Stande:
Der trägt ein Purpurkleid, und jener gräbt im Sande,
bis nach entraubtem Schmuck der Tod uns gleiche macht.

Spielt denn dies ernste Spiel, weil es die Zeit noch leidet,
und lernt, dass wenn man vom Bankett des Lebens scheidet,
Kron, Weisheit, Stärk und Gut sei eine leere Pracht!

1 weil = h. im Sinne von solange
2 ob = hier im Sinne von über

 


   Arbeitsanregungen:

Interpretieren Sie das Gedicht von Andreas Gryphius (1618 - 1664).

  1. Beschreiben Sie dazu die äußere Form des Gedichtes.

  2. Zeigen Sie auf, welche typischen Gedanken und Motive der Barockliteratur von Gryphius verwendet werden.

  3. Untersuchen Sie das Hauptmotiv und seine antithetische Gestaltung.

  4. Worin sehen Sie die Aussage des Gedichtes?

  

  
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