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Goethe: Egmont - 1. Aufzug - 1. Zwischenakt (I,1)

Überblick: Armbrustschießen

 
 
   
Auf einem Platz in Brüssel veranstalten ein paar Bürger ein Armbrust-Wettschießen: Soest (Krämer), Jetter (Schneider), Buyck (Holländer, Soldat unter Egmont), Ruysum (invalider Friesländer). Soest liegt im Wettstreit vorne, als Buyck anstelle von Jetter schießt und damit Schützenkönig wird. Als Sieger muss er eine Runde ausgeben.
Buyck lässt den Vergleich mit seinem Herrn, dem Grafen Egmont, wegen seiner Treffsicherheit nicht gelten und erklärt, dass er diesem zwar nicht das Wasser reichen, doch vieles von ihm gelernt habe.
Mit einem Trinkspruch lassen die drei anderen im Anschluss daran, den Schützenkönig Buyck hochleben. Der Trinkspruch "Ihro Majestät Wohl! Hoch!" dürfe, so Jetter zu den anderen, natürlich nicht als das Hochlebenlassen des spanischen Königs, Philipp II. missverstanden werden, denn auf dessen Gesundheit trinke man nicht gerne in den Niederlanden.
Ruysum, der fast seit der Schlacht con St. Quintin taube Invalide, verwechselt das Ganze doch und gibt einen Trinkspruch auf den König zum Besten, der aber von den anderen nicht im Chor bestätigt wird.
So kommt man ins Gespräch über den König, dessen Volksferne im Gegensatz zu seinem Vater, Karl V., betont wird. Soest betont die besondere Mentalität und Eigenart der Niederländer, die von ihren eigenen freien Fürsten regiert und nicht von fremden Herrschern unterdrückt sein wollten. Während Jetter noch daran glaubt, dass die gegenwärtige Misere nicht am König selbst, sondern an dessen schlechten Ratgebern liege, widerspricht ihm Soest entschieden und führt seinen zuvor ausgeführten Gedanken fort, indem er Egmont als Beispiel für einen wohlwollenden, fröhlichen und das freie Leben liebenden und volksnahen Fürsten preist. Gleich zweimal ´hintereinander lässt die Runde Egmont nach einem Trinkspruch, den dessen Soldat Buyck ausgibt, hochleben. Seine militärischen Erfolge, die erwähnt werden, sind zugleich Anlass für Ruysum und Buyck als Teilnehmer der Schlachten von St. Quintin und Gravelingen von ihren Kriegeserlebnissen unter dem Kommando Egmonts zu berichten, was am Ende zu einem erneuten Hochlebenlassen des Grafen Egmont führt. Als Jetter bedauert, dass man den Niederländern Margarete von Parma anstelle Egmonts als Regentin vorgesetzt hätte, ergreift Soest Partei für die Regentin und lässt sie hochleben, was alle im Chor wiederholen. Doch Jetter kann und will das Lob Soests für die Regentin nicht gänzlich unwidersprochen stehen lassen und beklagt, dass sie in ihrer Politik zu viel Rücksicht auf die Kirche und deren Interessen nehme, wie die Schaffung von vierzehn neuen Bistümern im Lande, deren Bischöfe von ihr selbst eingesetzt worden seien, zeige. Als Soest die Regentin weiterhin in Schutz nimmt, berichtet Jetter, was ihm wirklich Sorge bereitet. Er habe keine Verständnis dafür, dass die neuen Psalmen, die er selbst auch schon gesungen habe, als Ketzerei verurteilt würden. Buyck, der aus Flandern kommt, das Graf Egmont als Statthalter der Regentin regiert, kann dies offenbar nicht verstehen, da in Flandern jeder beten könne, wie es ihm beliebe. Für Jetter wiederum ist der Hinweis auf die Freiheit in Flandern kein Grund zur Beruhigung, denn er weiß zu berichten, dass überall Inquisitionsrichter auf der Suche nach Ketzern bzw. Ketzereien seien. Dies weist Soest von der Hand und gibt der Inquisition angesichts des niederländischen Selbstbewusstseins und der Entschlossenheit seiner heimischen Adeligen keine Chance. Doch solche Beschwichtigungen will Jetter nicht gelten lassen und stellt dar, wie schnell man als Ketzer angeklagt werden könne, es reiche schließlich nur einmal bei einem solchen Prediger der neuen Lehre zuzuhören. Seine direkte Frage an Soest, ob er denn selbst jemals einen dieser neuen Prediger gehört habe, beantwortet dieser mit einem klaren Ja und lässt sogar Sympathien für die neue Art zu predigen und das neue Bibelverständnis. So werden sich Soest und Jetter am Ende doch darin einig, dass man jeden nach seiner eigenen Weise predigen lassen solle. Am versöhnlichen Ende ihrer kleinen Meinungsverschiedenheit bringt Buyck Wilhelm von Oranien ins Spiel, den die Anwesenden in einem weiteren Trinkspruch hochleben lassen. Nachdem die wichtigen "Gesundheiten" ausgebracht sind, darf auch der Invalide Ruysum seine Trinksprüche loswerden. Als er die alten Soldaten, alle Soldaten und schließlich gar den Krieg selbst  unter dem Beifall Buycks hochleben lassen will, geht dem Schneider Jetter dies zu weit. Er erinnert an die Gräuel des Krieges, an Not und Angst. Soest glättet die Wogen, indem er die Notwendigkeit einer wehrhaften und bewaffneten Bürgerschaft betont, dem Jetter zwar wieder beipflichten kann, aber trotzdem verleiht er seiner Skepsis gegenüber Soldaten und deren Gebaren sehr zum Unwillen Buycks Ausdruck. Nach einer allgemeinen Witzelei über die Motive Jetters zu seiner Soldatenschelte - Soest behauptet, die bei Jetter einquartierten spanischen Soldaten hätten ihm auch die Frau ausgespannt - vereint sich die Gruppe noch einmal, als sie die Bürger von Buyck, dem Soldaten, aufgefordert werden, auch einen Trinkspruch auf das Bürgertum auszuloben. In allgemeinem Durcheinander der Stimmen geben sie die Trinksprüche kund, die Sicherheit, Ruhe, Ordnung und Freiheit als die wichtigsten bürgerlichen Ideale zum Inhalt haben.
 
     
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