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Historischer Hintergrund

Die Niederlande unter der Herrschaft Philipps II.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) - Dramatische Werke - Egmont

 
FAChbereich Deutsch
Glossar Literatur Autorinnen und Autoren Johann Wolfgang von Goethe Überblick
Biographie Werke Epische Werke Dramatische Werke  Egmont Gesamttext Didaktische und methodische Aspekte Überblick Entstehungsgeschichte des Dramas [ Historischer Hintergrund Überblick Zeittafel Die Niederlande unter der Herrschaft Karls V. bis 1555 Die Niederlande unter der Herrschaft Philipps I. bis zum Aufstand gegen die spanische Herrschaft ab 1566 Der historische Egmont ] Handlungsverlauf Figurenkonstellation Einzelne Figuren Rezeptionsgeschichte Aufführungsberichte und -kritiken Textauswahl   Bausteine  • Links ins Internet   Faust I Lyrische Werke  Bausteine Links ins Internet  ▪ Friedrich Schiller  ... Schreibformen Operatoren im Fach Deutsch
 

Im Oktober • 1555 übertrug »Karl V. (geb. 1500, 1516/19-56) seinem Sohn »Philipp II. (geb. 1527, 1556-98) die Herrschaft über die Niederlande, der • 1556 auch die Herrschaft in den spanischen Königreichen antrat. Mit seinem Vater trat auch dessen Statthalterin in den Niederlanden »Maria von Ungarn (1505-1558) • 1556 von ihrem Amt zurück, die es verstanden hatte, durch eine geschickte Politik die Interessen der niederländischen Stände und des Hauses Habsburg so auszubalancieren, dass es zu keinen größeren Konflikten gekommen war.

Mit der so genannten • Pragmatischen Sanktion von 1549 hatte Karl V. dafür gesorgt, dass die niederländischen Stände seinen Sohn Philipp nach seinem Tod als legitimen Nachfolger anerkannt hatten. Im Alter von 22 Jahren reiste Philipp, der in Spanien schon, seitdem er 16 Jahre alt geworden war, für seinen ständig herumreisenden Vater in Spanien Regierungsverantwortung getragen hat, in die Niederlande, um auf Geheiß des Vaters seine dortigen Besitzungen kennen zu lernen und sich als zukünftiger Landesherr huldigen zu lassen: "Alle Städte, die der Prinz mit seinem Besuch beehrte, zeigten sich von ihrer besten Seite: Sie warteten mit prächtigen Empfängen auf, mit Umzügen, Theatervorführungen, Geschenken, Lobeshymnen und selbstverständlich mit üppigen Festmählern, auf denen gut und reichlich getrunken wurde. Der Bericht seines Besuches von Antwerpen erschien im Druck auf Latein, Französisch und Niederländisch. Die Niederlande müssen dem nüchternen, genügsamen Prinzen wie ein Schlaraffenland vorgekommen sein. Auf überreichliches Essen und Trinken verzichtete er, aber er sollte ein Leben lang eine Vorliebe für die niederländische Gartenkultur sowie für die Musik und die Malerei der Nieder-Lande behalten." (van der Lem 2016, S.27)

Doch aller absolutistischer Bestrebungen zum Trotz konnte Philipp II. die Niederlande bis zum Ende seiner Herrschaft nicht einfach von oben bis nach unten "durchregieren". Auch unter seiner Herrschaft bleiben die »Spanischen Niederlande "eine Bündelung verschiedener Einheiten, zusammengefügt unter einer einzigen, allgemeinen Verwaltung"  (Wielenga 32018. S.22).

Die Niederlande waren zwar unter die Herrschaft der spanischen Krone gekommen, deren Reich als Ganzes eine dynastische Agglomeration (»composite state, composite monarchy) war und sich aus verschiedenen Staaten zusammensetzte, behielten aber auch weiterhin ein hohes Maß an politischer, gerichtlicher, wirtschaftlicher und kultureller Heterogenität, mit der umzugehen, sich Philipp II. schwer tat. Die Spannungen, die er mit seiner Politik in den Niederlanden maßgeblich verantwortet hat, gehören jedenfalls zu den wichtigsten Ursachen für den späteren Aufstand gegen die Spanier in den Niederlanden.

»Philipp II. (geb. 1527, 1556-98) stand nach seinem Machtantritt vor den Problemen, mit denen schon sein Vater »Karl V. (geb. 1500, 1516/19-56) zu tun hatte: Das Credo und das Festhalten an der katholischen Religion als "Kern einer spanischen Identität, die grundsätzlich von allen Untertanen ungeachtet ihrer Sprache geteilt werden konnte, und auch sollte" (Maissen 2013, S.38), die es mit allen Mitteln zu verteidigen galt, war auch für ihn nicht nur eine Frage des Glaubens, sondern letzten Endes auch der Staatsräson.

Er verschärfte die Repressionspolitik gegenüber allen reformatorischen Einflüssen im Land und ließ mit dem Mittel seiner Sondergerichte, der »spanischen Inquisition Hunderte so genannter Ketzer hinrichten und suchte der Verbreitung ihrer Lehren mit einer scharfen Zensur entgegenzuwirken. Darüber hinaus setzte er das Vorhaben seines Vaters mit der Schaffung neuer Bischofsitze und der Einsetzung von Bischöfen seiner Wahl großflächig in die Tat um und erschloss sich damit neue eigene Finanzquellen. Ansonsten war es aufgrund der ständischen Mitsprache (Beden) für den König schwer und vor allem mühsam, dauerhafte und verlässliche Steuereinnahmen in der von ihm gewünschten Höhe zu erhalten.

Ein Dauerproblem für Philipp II. war die Finanznot, die er von seinem Vater geerbt hatte und die vor allem durch anhaltende Kriege mit Frankreich vor allem in Italien (1556-59), aber auch im Norden Frankreichs und in den Niederlanden, bei dem es weiter um die Vorherrschaft in Europa ging (»Habsburgisch-französischer Gegensatz 1516-1756), ständig größer wurde.

Nicht nur die Kriegskosten selbst schossen immer weiter in die Höhe, sondern auch die dauernden Aufwendungen für den Sold seiner Soldaten, von denen nur ein vergleichsweise geringer Teil aus lehnsrechtlich-feudalen Verpflichtungen oder Aushebungen stammte, verschlangen Unsummen. Bis zur Mitte des Jahrhunderts verschlang der Zinsdienst fast die Hälfte und danach sogar zwei Drittel der Staatseinkünfte. Und Frankreich, das sich weiterhin geopolitisch in der Zange des »Hauses Habsburg sah, gab keine Ruhe.

Karl V. hatte bei seiner Abdankung • 1555 sein Herrschaftsgebiet zwischen seinem Sohn Philipp II. und seinem Bruder »Ferdinand I. (1503-1564, von 1558-64 »Kaiser des »Heiligen Römischen Reiches), der nach dem Tod ihres Großvaters »Maximilian I. (1459-1519) bei der »Erbteilung (1522) die »österreichischen Erblande zugesprochen bekommen hatte, aufgeteilt. Dennoch machten die österreichischen und spanischen Habsburger machtpolitisch weiterhin gemeinsame Sache. Außerdem sorgten sie durch Heiraten zwischen ihren beiden Familienzweigen dafür, dass das Erbe der Dynastie zusammengehalten wurde.

Als Philipp II. die Herrschaft übernahm, gingen die kriegerischen Auseinandersetzungen mit Frankreich, die nur kurz durch einen brüchigen »Waffenstillstand (1556) unterbrochen worden waren, in eine neue Runde. In den neu aufflammenden Kampfhandlungen konnte Philipp II. die Franzosen mit Hilfe von »Lamoral Graf Egmont (1522-1568), den Prinzen von Gaure in den »Schlachten von St. Quentin (1557) und »Gravelingen (1558), der die Reiterei befehligte, für längere Zeit niederringen: Im • »Frieden von Chateau Cambrésis im Frühjahr • 1559 musste Frankreich seine Ansprüche in Italien und Burgund aufgeben. Im gleichen Jahr machte der spanische König den Grafen Egmont, der sich schon in den Kriegen Karls V. ausgezeichnet hatte und durch seine militärischen Siege zu einer Art Volksheld geworden war, zum Statthalter von »Artois und »Flandern, der bedeutendsten Provinz der Niederlande.

Auch wenn es zunächst danach aussah, dass die Beziehungen zwischen dem neuen König und den niederländischen Ständen denen unter Karl V. ähneln würden, nahmen die Spannungen zwischen beiden "Lagern" schon bald zu. Der ohnehin als unnahbar geltende Philipp II. ((vgl. Vogler 2003, S.78), der weder Niederländisch und Französisch sprach, sammelte vor allem spanische Berater um sich, berief den • Staatsrat, indem neben den Berufsbeamten auch niederländische Hochadelige vertreten waren, nur noch selten ein und schritt bei der Zentralisierung der Verwaltung in einer Weise voran, dass die niederländischen Stände sich ernsthaft Sorge machten, nach und nach und immer weiter als Zwischengewalten von ihrer Teilhabe an der Herrschaft in den Niederlanden zurückgedrängt zu werden.

Die • unterschiedlichen Interessenlagen von König und Ständen in einer für beide Seiten erträglichen Art und Weise auszubalancieren, war jedenfalls Philipps II. Sache nicht, auch wenn er auf der anderen Seite auch darauf angewiesen war, dass die Stände in den Niederlanden, nicht zuletzt wegen seiner außerordentlich großen Finanznot, kooperationsbereit blieben.

Im Jahr • 1559 verließ Philipp II., der im Gegensatz zu seinem Vater in Spanien erzogen worden war und im Laufe seines Lebens nur wenige Jahre am Brüsseler Hof verbracht hatte, die Niederlande, um sich in Spanien inthronisieren zu lassen und fortan sein Reich von Spanien aus zu regieren. Während seiner Regierungszeit kehrte er nie mehr in die Niederlande zurück.


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Eine Zeitlang blieb die Frage der Generalstatthalter- bzw. Regentschaft in den Niederlanden ungeklärt, bis Philipp II. noch im Jahr • 1559 mit seiner Entscheidung, seiner Halbschwester »Margarete von Parma (1522-1586)  die Regentschaft über die ins spanische Reich eingegliederten • Spanischen Niederlande übertragen, den spanischen Hochadel, von denen sich auf Grund ihrer erworbenen Verdienste vor allem » Graf Egmont (1522-1568) und »Wilhelm von Oranien (1553-1584) aus dem »Haus Oranien-Nassau, der selbst kein Niederländer war, Hoffnungen auf die Generalstatthalterschaft gemacht hatten. Beide gehörten zudem dem elitären Kreis des »Ordens des Goldenen Vlieses an, dessen Großmeisterwürde Phillipp II. • 1555 von seinem Vater übertragen bekommen hatte.

Doch Philipp II. war wohl der Ansicht, dass er damit die Machtposition der niederländischen Stände unnötigerweise stärken würde. Er verraute wohl darauf,  mit seiner Entscheidung, den heimischen Adel, den er sich schon mit den Statthalterposten in den Provinzen dienstbar gemacht hatte, nicht über Gebühr zu brüskieren oder war eben Machtmensch genug, deren Unmut darüber auszuhalten. Vor allem aber wollte er wohl auch freie Hand haben, mit einer ihm gegenüber dynastisch verbundenen und loyalen Regentin seine weitergehenden Pläne auf dem Weg zum Ausbau seiner Herrschaft in den Niederlanden umzusetzen.

Der habsburgische Fürst (Karl V., Philipp II.) hatte zwar als Landesherr die Herrschaft über alle Provinzen, übertrug aber aufgrund seiner Abwesenheit von Brüssel meistens einer Person aus seiner Verwandtschaft die Generalstatthalterschaft (Landvogt, Regent). Bei der Verwaltung der Provinzen war er bzw. der Generalstatthalter darauf angewiesen, den ihm loyal gegenüber eingestellten heimischen Adel in sein Verwaltungssystem einzubinden. Ein stehendes Heer, das der alleinigen Befehlsgewalt des Landesherrn unterstellt, die Interessen des Landesherrn in jeden Winkel des Landes hätte tragen und ggf. gewaltsam hätte absichern können, lag weder weder finanziell, noch politisch im Bereich des Möglichen für die habsburgischen Landesherrn, auch wenn, sehr zum Verdruss der einheimischen Bevölkerung nach den militärischen Auseinandersetzungen mit Frankreich (• 1559) auch weiterhin etwa 3.000 schlecht bezahlte spanische Soldaten im Land waren, die oftmals meuterten und wegen ihrer Plünderungen berüchtigt und verhasst waren. Erst nach heftigen Beschwerden von Volk und Adel zog Philipp II. im Oktober • 1561 diese Truppen zurück. (vgl. Ritter 1967, S.311, vgl. Hoferer 1895, S.8)

In den Provinzen wurde der König bzw. seine für ihn die Macht ausübenden Regenten von Statthaltern vertreten, die aus dem niederländischen Hochadel stammten und diese Funktion auch in mehreren Provinzen ausüben konnten. Die Statthalter waren die Befehlshaber der Truppen in den Provinzen und hatten für Wahrung der öffentlichen Ordnung zu sorgen. Wer Statthalter war, "trug auch die Sorge für den Besitz des Fürsten, für die Stellung der Kirche, und er spielte in einigen Provinzen eine wichtige Rolle bei der Ernennung von städtischen Amtsträgern. Selbstverständlich stand er in regelmäßigem Kontakt mit Brüssel, sei es, um Rechenschaft abzulegen, beratend tätig zu sein oder Anweisungen entgegenzunehmen." (Wielenga 32018. S.21)

Zudem war es das Recht der Statthalter, die schon seit dem Mittelalter bestehende Vertretung der Stände des Adel, des Klerus und bestimmter Städte, die so genannten Provinzialstände einzuberufen- Diese hielten ein wichtiges Instrument zu einer gewissen Kontrolle des Landesherrn in der Hand: das Steuerbewilligungsrecht. Der König jedenfalls konnte von sich in den Niederlanden aus keine Steuern erheben, die ihm direkt zugeflossen wären, sondern musste stets über den Umweg der Stände dafür sorgen, dass ihm die von ihm gewünschten Steuereinnahmen bewilligt wurden. Kein Wunder daher, dass die Finanzfragen, wie eigentlich überall, wo es dem modernen Absolutismus darum ging, "den im Lande altherkömmlichen Partikularismus der Landschaften, die Selbstherrlichkeit und Steuerscheu der Stände einzuschränken," um "die Kräfte des Landes schärfer als bisher einzuspannen für den Dienst der Gesamtmonarchie" (Ritter 1967, S.308), zu einem ständigen Zankapfel zwischen der Monarchie und den Ständen geworden sind.

Ursache dafür war vor allem die anhaltende Finanznot des Königs, die schon unter Karl V. groß gewesen war, sich aber Philipp II. als geradezu unlösbar zeigte. Die Kosten der ganzen habsburgischen Expansion waren gigantisch und die Kriege, die die Habsburger gegen Frankreich und die Türken führten, verschlangen Riesensummen. Um wenigstens halbwegs über die Runden zu kommen - lediglich zehn bis zwölf Prozent der Ausgaben Philipps II. waren 1560 noch durch Einnahmen gedeckt (vgl. ebd.) - waren die Monarchen auch auf möglichst hohe Steuereinkünfte aus den niederländischen Provinzen angewiesen. Dabei hatten sie vor allem die sich stark entwickelnden westlichen Provinzen um Antwerpen und Amsterdam im Auge.

Natürlich hätte Philipp II. am liebsten ein zentralistisches Steuersystem gehabt, aber dies ließ sich gegen den Widerstand, der auf ihre fiskalische Selbständigkeit bedachten Stände nicht durchsetzen. So galt in den Niederlanden weiterhin das aus den burgundischen Niederlanden stammende System der so genannten »Beden, was übersetzt etwa "inständige Bitten" bedeutet. Danach forderte der Landesherr seine Provinzen in regelmäßigen Abständen auf, Abgaben zu leisten. Allerdings war das ein vergleichsweise zähes Verfahren, weil die Interessen beider sehr unterschiedlich waren. Während es dem König darum ging, seine allgemeine Finanznot zu lindern, hatten die Stände aus ihrer regionalen und auf Bewahrung ihrer fiskalischen Selbständigkeit bedingten Perspektive daran natürlich wenig Interesse. (vgl. Wielenga 32018. S.19-20)

Hinzukam, dass die Finanzlage des landesherrlichen Regiments in den Niederlanden mindestens ebenso so schlecht war wie die der spanischen habsburgischen Monarchie. So waren "fast alle Domänen verkauft oder verpfändet, der Rest mit Schulden überhäuft, die Verwaltung der 'Bede' in den Händen der Stände, diese selbst durch Bürgschaften bei deutschen Bankhäusern schwer belastet, die Bezahlung der Truppen, aber auch der Beamten mit vielen Millionen im Rückstand, kein Geld vorhanden zur Auszahlung der Gehälter, Pensionen, ja öfters nicht einmal zehn Dukaten aufzutreiben zur Abfertigung eines Boten oder zur Verfolgung und Verhaftung eines ketzerischen Predigers." (Ritter 1967, S.309)

So wenig in das Machtkalkül Philipps II. eine Stärkung des in seinen Augen ohnehin zu sehr auf seine Rechte, Privilegien und Pfründe bedachten niederländischen Adels passte, so wenig wollte er aber auch, dass seine Regentin zu sehr nach eigenen Maßstäben regierte. Daher stellte er ihr den bei den Niederländern schnell verhassten Bischof »Antoine Perrenot de Granvelle (1517-86, seit 1661 Kardinal) zur Seite, der die schon von Karl V. begonnene, aber kaum vorangekommene Neuorganisation der Bistümer, die zwischen ihm und »Papst Paul IV. (1476-1559, Papst vom Mai 1555 an ) abgesprochen war, im Land durchsetzen und den antireformatorischen Repressionskurs des spanischen Königs mit der Verschärfung der Inquisition in den Niederlande auch dann garantieren sollte, wenn sich die Regentin darin zögerlicher zeigen sollte.

Im Rahmen einer Neueinteilung der niederländischen Bistümer wurden die siebzehn Provinzen in einem insgesamt aber ziemlich zäh verlaufenden Prozess dabei in drei Erzbistümer und diese wiederum in 15, diesen Kirchenprovinzen untergeordnete Bistümer, so genannte »Suffragandiözesen, aufgeteilt. Das Vorhaben stellte aus kirchlicher Sicht durchaus einen Fortschritt dar, da die neu gebildeten Erzbistümer zusammen in etwa das Territorium der siebzehn Provinzen umfassten. In den Niederlanden stieß diese Neuorganisation allerdings auf Ablehnung und den Widerstand unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppe. Einer der Gründe war der damit einhergehende Einflussverlust des bisher lokal organisierten Klerus, weil ähnlich wie bei der neuen Regierungselite, die mehr und mehr aus ausgebildeten Juristen bestand, ein Erzbischof fortan eine theologische Universitätsausbildung vorweisen musste und nicht einfach aufgrund seiner Zugehörigkeit zum niederländischen Hochadel das Amt antreten durfte.  Zudem gingen dem Adel, da die die Klöster (z. B. die reiche »Benediktinerabtei »Affligem) bei der Neuorganisation den Bistümern zugeschlagen werden, viele Pfründe verloren. In anderen Bevölkerungsschichten befürchtete man, dass die von »Granvelle (1517-86), der bei der Reform »Erzbischof von Mechelen wurde und als  Kardinal den kirchlichen Primat in den Niederlanden erhielt, die zentralisierte Kirchenorganisation und seine sehr einflussreiche Stellung dazu benutzten würde, um die spanische Repressionspolitik ganz im Sinne seines spanischen Königs »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) gegenüber »Lutheranern, »Wiedertäufern und »Calvinisten weiter zu verschärfen und mit der allgemein verhassten »Inquisition noch härter gegen vermeintliche Ketzerinnen und Ketzer vorzugehen.

Es verging kaum ein halbes Jahr, nach der Ernennung von » Granvelle (1517-86, seit 1661 Kardinal) zum »Erzbischof von Mechelen da beschweren sich die  niederländischen Statthalter und Hochadeligen »Wilhelm von Oranien (1553-1584)Holland und »Zeeland) »Lamoral Graf von Egmont (1522-1568), (»Artois und »Flandern) sowie Philipp von Montmorency, Graf von Hoorn (1536-1558)Geldern und »Zutphen) in einem Brief an den spanischen König »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) darüber, dass dieser sie mehr und mehr von der ihnen zustehenden Mitregierung im • Staatsrat, ausgeschlossen habe.

Im März • 1563 schrieben die drei niederländischen Statthalter erneut einen Brief an an den spanischen König »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98), in dem sie gegen die Politik »Granvelles protestieren, um dessen Entlassung bitten und sich weigern, weiterhin im • Staatsrat weiterhin mitzuarbeiten. Sie beteiligten sich durch eine an sich harmlos wirkende symbolische Protestaktion gegen den inzwischen allen Unmut über die spanische Politik in den Niederlande auf sich ziehenden, dabei stets im Einvernehmen »Philipp II. handelnden Erzbischof öffentlich zu demontieren. Am Ende des Jahres mussten alle ihre Bediensteten, angeblich aus Spargründen, mit einer Livree aus einfachem grauen Stoff bekleiden, auf deren Ärmel auf eine Idee »Egmonts hin, eine Narrenkappe als Anspielung auf den »Kardiinalshut (galero) »Granvelles gestickt war, um zu demonstrieren, wohin dessen Politik geführt habe. Außerdem beschlossen die niederländischen Hochadeligen, sich zu einer Liga nach französischem Vorbild (»Ligue du Bien public, 1465) zusammenzuschließen und sich künftig im • Staatsrat abzustimmen. Sie wollten damit die Macht der spanischen Regentin zurückdrängen und zu einer gemeinsamen Regierung von König und Adel in den Niederlanden kommen.

Ein Jahr später wurde »Granvelle Mitte März • 1564, da sich der Unmut über ihn mehr und mehr auch gegen die Regentin »Margarete von Parma (1522-1586) und die spanische Herrschaft in den Niederlanden richtete, auf Gesuch der Regentin von »Philipp II. aus den Niederlanden abberufen und verließ das Land. Darauhin nehmen auch die zeitweilig aus dem niederländischen • Staatsrat ausgetretenen niederländischen Hochadeligen »Wilhelm von Oranien (1553-1584)), »Lamoral Graf von Egmont (1522-1568) und »Philipp von Montmorency, Graf von Hoorn (1536-1558) wieder an seinen Beratungen teil, stellen aber schnell fest, dass sich an dem harten Repressionskurs der spanischen Regentin bei der in den Niederlanden über alle Konfessionsgrenzen hinweg verabscheuten Ketzerverfolgung nichts geändert hatte.

Am letzten Tag des Jahres • 1564 wagte sich »Wilhelm von Oranien (1553-1584) im Herrschaftsgebiet eines Königs, für den die katholische Religion und die katholische Glaubenseinheit Teil der Staatsräson war (vgl. Maissen 2013, S.38), bei einer Rede im • Staatsrat weit vor. Er missbilligte darin ausdrücklich die auch im »Heiligen Römischen Reich seit dem »Augsburger Religionsfrieden1555 geltende Praxis, bei der die Fürsten über die Religion ihrer Untertanen bestimmten (»Cuius regio, eius religio) plädierte damit in Anerkennung des religiösen Status quo, dem Vorhandensein von orthodoxen Katholiken, nur dem äußeren Anschein nach noch Katholiken, die sich innerlich von der Kirche abgesetzt hatten, »Calvinisten und »Wiedertäufern im Land, für die Religionsfreiheit in den Niederlanden und damit das Ende der Unterdrückung Andersgläubiger.

In den Reihen der solchen Forderungen zuneigenden Hochadeligen war man sich im Klaren, dass der spanische König »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) eine dem gänzlich entgegengesetzte Politik verfolgte. Dennoch reiste »Lamoral Graf von Egmont (1522-1568) Anfang • 1565 an den spanischen Hof, wo er während seine Aufenthaltes von Februar bis Anfang April den spanischen König »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) mehrmals traf. Er positionierte sich dabei als einer der Wortführer der Adelsopposition in den Niederlanden und trug ihm seine Anliegen vor. Doch Philipp II. lehnte, auch wenn der Besuch Egmonts m Großen und Ganzen harmonisch verlief, die Wünsche der Niederländer, wie kaum anders zu erwarten, rigoros ab.

Als Egmont im April  • 1565 mit leeren Händen aus Spanien in die Niederlande zurückkehrte, kam es im • Staatsrat zum Eklat. Dabei wurde die Unzufriedenheit noch zusätzlich dadurch befeuert, der König im Mai erneut sechs »radikalreformatorische »Wiedertäufer hinrichten ließ, bei denen die Vollstreckung des Todesurteils zuletzt ausgesetzt worden war. Der spanische König blieb indessen von dieser Entwicklung unbeeindruckt. In Briefen, die er im Oktober in »Segovia verfasste, wohin er sich immer wieder einmal zurückzog, hielt er kompromisslos auf der strengen Verfolgung der vermeintlichen Ketzerinnen und Ketzer in den Niederlanden fest und setzte damit der zeitweiligen Zurückhaltung seiner Regentin »Margarete von Parma (1522-1586) ein Ende, die deshalb zusehends unter Druck geriet. Die Konflikte blieben ungelöst und die Unzufriedenheit darüber zog in den Niederlanden immer weitere Kreise.

Im Dezember schlossen sich im Umfeld der Zusammenkünfte anlässlich der Hochzeit des Sohnes von »Margarete von Parma (1522-1586) zwanzig Angehörige des niederen Adels zu einem »Eidverbund (Compromis) zusammen und wollten nach dem Scheitern von »Egmonts Mission in Spanien gemeinsam gegen die neuerlichen Erlasse des spanischen Königs »Philipp II. zur Intensivierung der Ketzerverfolgung ihre Stimme erheben. Im April • 1566 übergab der »Eidverbund (Compromis) der Adeligen unter Führung von »Heinrich von Brederode (1531-1568) in einem feierlichen Zug von zweihundert unbewaffneten Adeligen, die sich fortan »Geusen (Bettler) nannten, der Statthalterin »Margarete von Parma (1522-1586) eine Petition, in der sie um Nachsicht gegenüber Andersgläubigen bitten und die Einberufung der Generalstände der Niederlande fordern. Wenig später forderte eine kleine Gruppe von zwölf Abgeordneten des niederen Adels in einem der Regentin übergebenen Gesuch vollständige Religionsfreiheit und sprachen sich für eine Regierung der populären und einflussreichen Statthalter und niederländischen Hochadeligen »Wilhelm von Oranien (1553-1584), »Lamoral Graf von Egmont (1522-1568) und »Philipp von Montmorency, Graf von Hoorn (1536-1558) aus. De Statthalterin sagte den »Geusen ein gemäßigteres Vorgehen mit zumindest vorübergehender Aussetzung der Inquisition gegen Andersgläubige zu und verzichtete darauf, gegen die Mitglieder des »Eidverbunds (Compromis) der Adeligen vorzugehen: Als Gegenleistung versprechen die Mitglieder gegen die überall zunehmenden calvinistischen »Heckenpredigten einzuschreiten, Unruhen einzudämmen und Bilderstürmer zu bestrafen.

Doch im August verschärfte sich die Lage und die Entwicklung gewann eine neue Dynamik, die nicht mehr allein in den Händen der spanischen und niederländischen Obrigkeiten lag.

Mitte August kam es zu einem gewalttätig verlaufenden »Bildersturm radikaler »Calvinisten auf katholische Kirchen und Klöster in »Flandern, der sich in wenigen Tagen auf die ganzen »Spanischen Niederlande ausweitete und neben »Flandern vor allem »Artois. »Holland, »Zeeland, »Antwerpen und »Groningen traf. Vor allem die gewalttätigen Ausschreitungen der Bilderstürmer, die in  »Antwerpen am 20.8, in »Gent am 22.8. und wieder zwei Tage später in »Valenciennes, in denen die katholischen Kirchen geplündert werden.

Angefangen haben die Bilderstürme dort, wo die ersten größeren calvinistischen »Heckenpredigten stattgefunden hatten. Sie waren eine Zeit lang nächtliche Gottesdienste fern von den katholischen Gotteshäusern, die außerhalb von Städten und deren Gerichtsbarkeit, im Schutz von Wäldern und Hecken, aber auch auf den Ländereien sympathisierender Adeliger, die zum Teil viele Tausend Menschen anzogen, die mit dem calvinistischen Glauben sympathisierten oder einfach ihren Unmut über die katholische Kirche ausdrückten. In der vergleichsweise kurzen Zeit, in der die Regentin die endgültige Entscheidung »Philipps II. über die ihm vorgetragenen Gesuche der Adelsopposition abwarte und den antireformatorischen Repressionsdruck auf die Andersgläubigen zeitweise verringerte, wurden Heckenpredigten zu öffentlichen Massenveranstaltungen, die bis weit über zehntausende Personen zusammenbringen konnten. Dies Tatsache allein musste in Brüssel und Madrid die Alarmglocken läuten lassen. Dazu kam noch die für viele Menschen äußerst prekäre soziale Lage, die nach einer Missernte und fehlender Einfuhren des notwendigen Ostseegetreides wegen des schwedisch-dänischen Krieges hungerten und/oder als Folge des Handelskonflikt mit England, der die Zufuhr von Wolle unterbracht, Opfer einer explodierenden Massenarbeitslosigkeit in den vom Tuchhandel und der Tuchproduktion lebenden ländlichen Gebiete wurden. Was hier zu brodeln begann, führte dazu, dass sich gewalttätige Bilderstürmer mit  Aktionen vergleichsweise sicher wähnten. Und in der Tat sah die Mehrheit der gläubigen Katholiken ihren Aktionen zunächst wohl konsterniert, vielleicht sogar mit einem, je nach Ausmaß der Ausschreitungen, gewissem Verständnis zu, zumal sie die Unterdrückung der Calvinisten und Wiedertäufern im Rahmen der Ketzerverfolgungen schon lange nicht mehr guthießen.


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Los ging es mit bilderstürmerischen Aktivitäten in den Niederlanden im August 1566 in der Umgebung des flandrischen »Steenvoorde, nahe der französischen Grenze, wo nach der Predigt eines calvinistischen Priesters eine der Kapellen der Stadt geplündert wurde. Dort hatten auch die ersten »Heckenpredigten stattgefunden. Nach weiteren solchen Kirchenplünderungen in der näheren Umgebung löste dieselbe Gruppe von Bilderstürmern am 15. August in »Ypern, einer der wichtigsten und größten Städte in Flandern einen weiteren Bildersturm aus. Bischof Martin Rythovius versuchte im Vorfeld offenbar im Vorfeld der Ausschreitungen »Lamoral Graf von Egmont (1522-1568), den Statthalter der Provinz, zum Verbleib in der Stadt zu bewegen, um der drohenden Plünderung der Kirchen entgegenzuwirken vermeiden. Doch einen Tag, bevor es richtig losging, reiste dieser am 14. August um die Mittagszeit ab. Am 16. August waren alle Klöster und Kirchen in und um Ypern, einschließlich der Pilgerkirche in Beveren, ausgeräumt.

Im weiteren Verlauf wurden am 18. August »Oudenaarde in »Flandern und am 20. August »Antwerpen von Bilderstürmen heimgesucht. Schon tags zuvor waren dort einige Jugendliche in die Kirche von Antwerpen eingedrungen und hatten dort eine Marienstatue verhöhnt. Tags darauf drangen erneut Bürger in die Kirche ein und begannen, sie zu plündern und auszuräumen. Dabei sangen sie Psalmen, tranken den Messwein und schmierten ihre Schuhe mit gesegnetem Öl ein. In den nächsten zwei Tagen plünderten und zerstörten 20 bis 30 männliche Jugendliche und Männer die Einrichtungen von dreißig weiteren Kirchen.

In »Gent, das besonders unter der schlechten Versorgungslage litt, wurde dem Magistrat am 22. August ein gefälschtes Schreiben von »Graf von Egmont (1522-1568) vorgelegt, welches nicht nur die Zerstörung der Bilder erlauben sollte, sondern auch gleichzeitig eine Wache für die Ausführenden forderte. Beiden Anträgen wurde von Seiten des Genter Magistrats stattgegeben. In der Nacht vom 22. auf den 23. August kam es folglich zum Bildersturm in der Stadt. Als die Ausführenden am nächsten Morgen aufgefordert wurden, diese zu verlassen, waren die Einrichtungen von sieben Pfarrkirchen, einer Stiftskirche, 25 Klöstern, zehn Armenhäusern und sieben Kapellen zerstört. Dass der Magistrat auf die Fälschung hereinfiel, hatte auch damit zu tun, dass solche Aktionen offenbar oft auch mit Duldung und sogar Unterstützung von Adeligen stattfanden.

In den nördlichen Territorien der Niederlande, mit Ausnahme von »Zeeland und »Utrecht, verliefen kam es bei Bilderstürmen nicht zu vergleichbar starken Unruhen.


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Die Unruhen, die im Allgemeinen auf das Konto von kleinerer Gruppen gingen, werden von den Statthaltern in den Provinzen niedergeschlagen und die staatliche Ordnung auf diese Weise wiederhergestellt. Auch »Lamoral Graf von Egmont (1522-1568), der Statthalter von »Flandern und »Artois stellte sich dabei auf die Seite der spanischen Regentin »Margarete von Parma (1522-1586) und leistet den von den Provinzstatthaltern in spanischen Diensten erwarteten Beitrag zur Bekämpfung der vielerorts aus dem Ruder gelaufenen Unruhen, die neben religiösen Gründen auch durch Hunger und Massenarbeitslosigkeit ausgelöst worden waren. Im Auftrag des »Grafen  von Egmont erwarb sich dabei dessen Sekretär, der niederländische Edelmann »Johannes Casembroot (1526-1568), der selbst im Ruf stand zu den Reformierten zu gehören, den Ruf, mit allen "Randalierern" kurzen Prozess zu machen, denen er auf seinem Weg in das von Aufrührern zeitweise beherrschte »Oudenaarde in »Flandern, wo er im Auftrag seines Herrn die Ordnung mit seinen Soldaten wiederherstellte.

Unter dem Eindruck der Unruhen sah sich auch »Margarete von Parma (1522-1586) gezwungen, bis zur endgültigen Entscheidung »Philipps II.,  wie mit den Rädelsführern, den Beteiligten und Befürwortern der Unruhen sowie der Opposition der niederen Adeligen und des Hochadels umgegangen werden sollte, vorübergehend lutherische und calvinistische Predigten zuzulassen. Sie erfüllte damit vorübergehend einer der Forderungen, die der »Eidverbund der Adeligen und die solches ebenfalls unterstützenden Hochadeligen soweit zu erfüllen, dass einer weiteren Eskalation der Wind aus den Segeln genommen werden konnte. Und in der Tat löste sich der Eidverbund daraufhin wieder auf.

In Spanien, wo Briefe der Regentin schon Anfang September angekommen waren, in denen sie »Philipp II., ausführlich über den Bildersturm in den Niederlanden unterrichtete, ließ man sich bis zum 22. September 1556 im spanischen Staatsrat Zeit, um sich der Sache zu befassen. Der König, für den die katholische Glaubenseinheit in seinem Herrschaftsgebiet weiterhin unverzichtbar war, vertraute in den kontroversen Beratungen den Mitglieder des Staatsrates daher denen, die für ein hartes, militärisches Durchgreifen in den Niederlanden plädierten, weil sie andernfalls auch in den habsburgischen Besitzungen in Italien eine ähnliche Entwicklung heraufziehen sehen. Der »Herzog von Alba vertrat dabei die Überzeugung, die Niederlande nach seiner Ankunft an der Spitze eines entsprechend starken Heeres innerhalb eines halben Jahres zu "befrieden" und dabei mit nicht mehr als ca. 800 Exekutionen seiner dortigen Gegner auszukommen.

In den Niederlanden trafen sich  3. Oktober 1566 von »Wilhelm von Oranien (1553-1584), »Lamoral Graf von Egmont (1522-1568), »Philipp von Montmorency, Graf von Hoorn (1536-1558) und Ludwig von Nassau-Dillenburg (1538-1574), einem Anführer der »Geusen, in »Dendermonde. Der Überlieferung nach ging es bei dem Treffen auch über Möglichkeiten zum Aufstand gegen den spanischen König. »Wilhelm von Oranien hatte aber wohl, aus welchen Quellen auch immer, erfahren, dass der spanischen König in jedem Fall plante, die Unruhen in den Niederlanden militärisch endgültig beenden und sich der führenden Köpfe der Adelsopposition zu entledigen. Es ist anzunehmen, dass er die anderen mit seiner Warnung auffordern wollte, sich in Sicherheit zu bringen, bevor es zu spät war. Doch nicht bei allen fanden diese Warnungen offenbar das gebührende Gehör.

»Philipp II. betraute »Fernando Álvarez de Toledo, 3. Herzog von Alba (1507–1582), meist nur als »Herzog von Alba bezeichnet) mit der Aufgabe, die (spanische) Ordnung in den Niederlande mit militärischen Mitteln wiederherzustellen. Da die Truppen dafür aber noch in Italien standen, mussten sie erst unter erheblichem finanziellen und logistischen Aufwand entlang der so genannten »Spanischen Straße über die Alpenpässe und das deutsch-französische Grenzgebiet in die Niederlande geführt und auf dem Weg dahin durch Anwerbung noch verstärkt werden. Daher kam das spanische Heer Herr erst Mitte des nächsten Jahres • 1567 in den Niederlanden an, wo sich die Lage schon seit geraumer Zeit, nicht zuletzt durch erfolgreiche Militäreinsätze der Regentin, wieder einigermaßen beruhigt hatte. Noch auf dem Marsch der spanischen Truppen in die Niederlande hatte sie dem König und dem »Herzog von Alba geschrieben, dass das Heer in den Niederlanden zur Stabilisierung der Lage gar nicht mehr benötigt werde.

Ehe der »Herzog von Alba mit seinem Heer in den Niederlanden ankam, verließ »Wilhelm von Oranien (1553-1584) schon im April die Niederlande und zog sich auf die »Dillenburg, den Stammsitz des »oranischen Zweigs des »Hauses Naussau in dem souveränen Fürstentum zurück. Ebenso floh »Heinrich von Brederode (1531-1568), einer Anführer des »Eidverbund (Compromis) der Adeligen im selben Monat nach »Emden, schon seit 1519 eines der Zentren der Reformation. Anzunehmen, dass diesen Beispielen auch andere folgten, die sich im benachbarten Ausland Hoffnung auf eine Existenz machen konnten.

Am spanischen Hof waren indessen die Würfel über die Regentschaft »Margarete von Parmas (1522-1586)  und die gewaltsame "Befriedung" der Niederlande  gefallen, als der »Herzog von Alba am 22.8.1567 an der Spitze seines Heeres in »Brüssel einzieht und von diesem Tag die Regentin kaltstellte und de facto entmachtete.

In den ersten Wochen nach seiner Ankunft hielt sich der »Herzog von Alba, der nun de facto Statthalter der Niederlande geworden war, zurück und man konnte offenbar den Eindruck gewinnen, er werde einen, wenngleich klaren, aber in der Anwendung seiner Mittel doch einigermaßen moderaten Kurs steuern. Im Nachhinein scheint dies aber nur Teil eines perfiden Plans gewesen zu sein, Informationen über die Oppositionellen aller Lager zu sammeln, seine faktischen und potentiellen Gegner in Sicherheit zu wiegen und in seine Falle zu locken, um sie im Anschluss daran umso härter verfolgen und auch gemäß seinem dem König unterbreiteten "Masterplan" binnen kurzer Zeit "liquidieren" zu können.

So machte auch die Einsetzung des es »Rats der Unruhen im September, in den neben spanischen Beamten auch einige niederländische Adelige berufen werden, nicht sofort darauf hin, dass er sehr bald zum wirksamsten Mittel der Unterdrückung werden sollte. Allerdings ließen sich auch die berufenen niederländischen Ratsmitglieder nicht einfach vor den Karren spannen. Sie  nahmen nie an seinen Beratungen nie teil und verweigern schon bald auch ihre weitere Mitarbeit.  Der Rat der Unruhen, der von den Niederländern bald als »Blutrat bezeichnet wurde, ersetzte im Grund genommen die bis dahin vorhandene Gerichtsbarkeit. Da »Herzog von Alba alle, die an den Unruhen des vorigen Jahres beteiligt gewesen waren, des Hochverrats bezichtigte, musste er bei der Aburteilung seiner Gegner auf keinerlei Privilegien Rücksicht nehmen. Allerdings durfte er mit seiner Verfolgung Andersgläubiger auch die lutherisch-protestantischen Fürsten im benachbarten »Heiligen Römischen Reich so weit reizen, dass diese zuguterletzt in den Konflikt eingriffen. Daher gab Alba seine Maßnahmen stets als Kampf gegen Rebellen aus.

Der Blutrat verhängte in der Folgezeit Tausende von Todesurteilen, von denen 1037 tatsächlich vollstreckt werden. Viele, die verurteilt wurden, entgingen der Vollstreckung dadurch, dass sie rechtzeitig ins Ausland geflohen waren. In weit über 10.000 Fällen verloren die Verurteilten aber ihren gesamten Besitz, was dem spanischen Regiment »Herzog von Albas Finanzquellen erschloss, die der in ständiger Finanznot befindlichen Herrschaft der spanischen Habsburger beim Unterhalt der spanischen Truppen, die von den Niederländern zusehends als Besatzungsarmee gesehen wurden, zugute kamen.

Am 9. September holte »Herzog von Alba aber schon zum Schlag gegen die führenden oppositionellen Hochadeligen aus, die noch in den Niederlanden geblieben waren und nicht wie z. B. »Wilhelm von Oranien (1553-1584) und »Heinrich von Brederode (1531-1568) sich durch Flucht aus den Niederlanden rechtzeitig in Sicherheit gebracht hatten. Der neue Machthaber in den Niederlanden lockte »Lamoral Graf von Egmont (1522-1568), der den in diesem Jahr von der Regentin »Margarete von Parma (1522-1586) geforderten neuerlichen Treueschwur geleistet hatte, und »Philipp von Montmorency, Graf von Hoorn (1536-1558)  unter einem Vorwand aus ihren Provinzen nach »Brüssel. Dort ließ er beide festnehmen und für einige Monate in »Gent einkerkern, ehe deren Sache vor dem »Blutrat verhandelt wurde. Da der Blutrat beiden Hochverrat und Majestätsbeleidigung vorwarf, auf beiden Vergehen die Todesstrafe stand, waren die Aussichten vorn vornherein schlecht, zumal den Angeklagten de facto die Möglichkeit genommen worden war, sich mit Hilfe von Anwälten zu verteidigen.

Als »Margarete von Parma (1522-1586) vier Tage später die Niederlande verließ, nachdem der spanische König »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) sie auf eigenen Wunsch hin von ihrer Statthalterschaft entbunden hatte, kam es zu einer regelrechten Fluchtwelle ins benachbarte Ausland.  Zehntausende, meistens einfache Leute, die Anhänger des neuen Glaubens waren, flohen entweder nach Deutschland oder England. Andere flüchten in die Wälder Flanderns (Waldgeusen) oder auch auf das hohe Meer »Wassergeusen), um von dort als Seeräuber noch eine längere Zeitlang alle Schiffe zu kapern, derer sie Herr werden konnten.

»Lamoral Graf von Egmont (1522-1568) und »Philipp von Montmorency, Graf von Hoorn (1536-1558) half nicht, dass sie Ritter des »Ordens des Goldenen Vlieses, waren, der, so seine Bestimmungen, die ihm angehörigen Mitglieder eigentlich nur der Gerichtsbarkeit der Gesamtheit seiner Mitglieder warf. Und auch militärische Aktionen der beiden Brüder »Wilhelms von Oranien (1553-1584) »Ludwig von Nassau-Dillenburg (1538-1574) und »Adolf von Nassau (Oranien) (1540-1568), die am 23.5. ein spanisches Heer in der »Schlacht bei Heiligerlee schlugen, konnten das Blatt nicht wenden, zumal der militärische Erfolg nur von kurzer Dauer gewesen ist. Im Gegenteil: mit dem wenige Tage später bis auf die Grundmauern vorgenommen Abriss des Palast des Grafen Culemborg in »Brüssel in dem • 1566 der Verbund der »Geusen geschlossen worden war, machte »Herzog von Alba deutlich wer das Sagen hatte. Am 1.6. ließ er auf dem Pferdemarkt von »Brüssel die ersten 19 niederländischen Adeligen hinrichten. Vier Tage später, am 5.6. wohnte er persönlich der Hinrichtung der Grafen  »Egmont und »Hoorn bei, die drei Tage zuvor wegen Hochverrats und Majestätsbeleidigung vom »Rat der Unruhen (Blutrat) zum Tode verurteilt worden und danach von »Gent nach »Brüssel gebracht worden waren. Die beiden niederländischen Hochadeligen wurden auf dem Markplatz (»Grote Markt) öffentlich enthauptet und ihre abgeschlagenen Köpfe auf Pfählen aufgespießt und zur Schau gestellt.

Auch »Johannes Casembroot (1526-1568), der Sekretär des »Grafen  von Egmont, wird Mitte September vom »Rat der Unruhen (Blutrat), der ihn am 9.9.1567 festnehmen und foltern lässt, um von ihm mögliche geheime Pläne seines Herrn zu erfahren, zum Tode verurteilt  lässt und im »Kastell von Vilvoorde hingerichtet; • 1566 war er noch im Auftrag seines Herrn bei der Niederschlagung der Unruhen in »Flandern besonders kompromisslos vorgegangen;

In den Folgejahren ebbten die  militärischen Aktionen, die mal dieser, mal jener Seite kurzfristig zu einem Erfolg verhalfen, nicht ab und »Herzog von Alba, der ursprünglich ja davon ausgegangen war, er werde die Niederlande binnen eines halben Jahres mit seinen drakonischen Maßnahmen in die Knie zwingen, hat wohl allmählich erkannt, dass seine "Mission" nicht den gewünschten Erfolg brachte. Aber auch seine Gegner konnten lange keine wirklich nennenswerten strategischen Vorteile auf dem Schlachtfeld erringen. Insbesondere die gescheiterten Invasionen der Jahre • 1568 und • 1572, die  »Wilhelm von Oranien (1553-1584) mit seinen zum Teil staatlichen Heeren unternommen hatte, brachten nicht die erhoffte Wende. Nicht zuletzt fehlte ihm einfach auch das Geld, ein Söldnerheer länger zu bezahlen, zumal die niederländischen Städte, auf deren Unterstützung er gesetzt hatte, offenbar aus Angst vor Strafaktionen der spanischen Truppen sich zunächst nicht auf seine Seite stellten. Die Angst hatte ihren Grund: Im Juli • 1572 ging »Herzog von Alba militärisch gegen aufständischen Städte vor und ließ im Gegensatz zu seinen Versprechungen alle 700 Einwohner des kleinen Festungsstädtchens »Naarden bei »Amsterdam nach ihrer freiwilligen Kapitulation ermorden. Allerdings trugen solche Massaker nun aber dazu bei, dass die Widerstandbereitschaft der aufständischen Städte eher stärker wurde. Nicht zuletzt ihre besonders aufwändigen und vor allem äußerst kostspieligen Belagerungen überforderten den spanischen Finanzhalt und trugen dazu bei, dass in Spanien der und zum Staatsbankrott erklärt wurde. Damit schwanden natürlich auch die Mittel des »Herzog von Alba, der schon • 1571 vergeblich versucht hatte, direkte Steuern zu erheben.

Der »Herzog von Alba wurde am 18.12.1573 auf eigenen Wunsch vom spanischen König »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) als Statthalter der Niederlande abgelöst. Ihm folgte »Don Luis de Requesens y Zúiga (1528-1576) als Statthalter nach, der zu Behebung der Finanznot in Spanien und in den Niederlanden von den Ständen eine jährlich Zahlung von 2.000.000 Gulden, fordert um die 86.000 Soldaten, die sich 1574 in den Niederlanden befinden, aushalten zu können.

1579 schlossen sich im Zuge der weiteren Entwicklung die sieben nördlichen Provinzen »Geldern, »Holland, »Zeeland, »Utrecht, »Friesland, »Overijssel und »Gronigen zur »Utrechter Union zusammen, der sich im Laufe der Zeit zahlreiche Städte im Norden und Süden anschlossen. Dieser Zusammenschluss gilt als Beginn der »Republik der Sieben Vereinigten Niederlande, die sich mit dem »Plakkaat van Verlatinghe1581 für unabhängig erklärten. Zur Begründung für diesen Schritt führten sie an, dass der spanische König als Landesherr versagt habe, weil er seine Untertanen nicht vor Ungerechtigkeit, Schaden und Gewalt bewahrt und weil er die Rechte seiner Untertanen verletzt habe, insbesondere durch Missachtung des »Großen Privilegs. Gleichzeitig übertrugen sie »Wilhelm von Oranien (1553-1584) die Statthalterschaft. Am 10.7.1584 wird »Wilhelm von Oranien (1553-1584) ermordet.

Rechtlich verbindlich wurde das Lossagen von der spanischen Herrschaft aber erst am Ende des »Achtzigjährigen Krieges (1568–1648) • 1648 mit dem »Westfälischen Frieden, der der »»Republik der Sieben Vereinigten Niederlande die rechtlich verbindliche Unabhängigkeit von den »spanischen Habsburgern bringt;

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 01.03.2024

    
 

 
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