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Historischer Hintergrund

Der historische Egmont

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) - Dramatische Werke - Egmont

 
FAChbereich Deutsch
Glossar Literatur Autorinnen und Autoren Johann Wolfgang von Goethe Überblick
Biographie Werke Epische Werke Dramatische Werke  Egmont Gesamttext Didaktische und methodische Aspekte Überblick Entstehungsgeschichte des Dramas [ Historischer Hintergrund Überblick Zeittafel Die Niederlande unter der Herrschaft Karls V. bis 1555 Die Niederlande unter der Herrschaft Philipps II. bis zum Aufstand gegen die spanische Herrschaft ab 1566 Der historische Egmont ] Handlungsverlauf Figurenkonstellation Einzelne Figuren Rezeptionsgeschichte Aufführungsberichte und -kritiken Textauswahl   Bausteine  • Links ins Internet   Faust ILyrische Werke  BausteineLinks ins Internet  ▪ Friedrich Schiller  ... Schreibformen Operatoren im Fach Deutsch
 

Johann Wolfgang von Goethe wollte in seinem Drama »Egmont« "einen Wendepunkt in der politischen Geschichte, (...) eine krisenhafte Periode, die infolge ihres Umbruchcharakters" (Schulz 1997, S.154) gestalten, die die Aufmerksamkeit und das Interesse seines Publikums erregen konnten, um damit "einen herausragenden einzelnen, der im Zentrum der geschichtlichen Ereignisse steht" (ebd.) in Szene zu setzen. Dabei wollte er kein Geschichts- sondern ein Charakterdrama gestalten und verzichtete dabei auch auf historische Detailtreue, wenngleich er die krisenhafte Situation, die in den Niederlanden Mitte des 16. Jahrhunderts eingetreten ist, in wesentlichen Grundzügen im Rahmen seiner dramatischen Handlung so wiedergibt, wie sie die von ihm genutzten • historischen Quellen darstellten.

Historisch war »Lamoral Graf Egmont (1522-1568), Prinz von Gaure, Ritter und Statthalter von »Artois und »Flandern in den »Spanischen Niederlanden unter der Herrschaft »Philipps II., (geb. 1527, 1556-98) aus der »Spanischen Linie der »Habsburgerdynastie-  Er entstammte einem »alten niederländischen Adelsgeschlecht, dessen Name von ihrer seit dem 11. Jahrhundert ausgeübten Schirmherrschaft über die Benediktinerabtei Egmond bei Alkmaar in Nordholland und einer in deren Nähe errichteten, im 16. Jahrhundert aber wieder zerstörten Burg abgeleitet worden ist. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er am Hof »Kaiser Karl V. (1500-1558), der das Gebiet, welches heutzutage in etwa den heutigen Niederlanden, Belgien und Luxemburg sowie dem französischen Département Nord entspricht, regierte.

Seit dem »Erbteilungsvertrag von Brüssel (1522) (• 1522) zwischen den beiden Brüdern »Karl (1500-1558) und »Ferdinand (1503-1564), der das »Haus Habsburg in die »Österreichische und »Spanische Linie aufspaltete, waren die ehemaligen »Burgundischen Niederlande unter die Herrschaft der spanischen Habsburger geraten. Nach der Abdankung »Karls V. (1500-1558), im Jahr • 1556 fielen diese Länder endgültig formal an die Spanische Krone. Die burgundisch-flandrischen Adeligen und Bürgerschaften der insgesamt ständisch organisierten feudalen Gesellschaft in den Niederlanden waren, auch wenn sie die Habsburger in einer dynastisch geprägten Herrschaftsordnung als landfremdes Fürstengeschlecht hinnahmen, "dem Hause Habsburg von Anfang an sehr unbequem gewesen." (Ritter 1967, S.307)

Egmont wurde am Hof Karls V. erzogen und tat dort zunächst als »Page Dienst. Mit 19 Jahren kämpfte er an der Seite des Kaisers in Algerien. In Speyer heiratete der 21-jährige • 1544 im Beisein des Kaisers »Sabine von Pfalz-Simmern (1528-1578), die Tochter des Pfalzgrafen »Johann II. von Simmern (1492-1557) aus dem »Haus Wittelsbach. Zugleich war die Sabine auch die Schwester des Kurfürsten »Friedrich III. von der Pfalz. Aus der gemeinhin als glücklich eingeschätzten Ehe Ehe gingen »12 Kinder hervor.

1546 wurde er von Karl V. wegen seiner Verdienste in Algerien und Deutschland in den 1429 von Herzog »Philipp dem Guten von Burgund (1396-1467) gestifteten »Orden des Goldenen Vlieses aufgenommen. Damit gehörte Egmont zu einem elitären Kreis von Angehörigen des Hochadels, die ein außerordentliches Privileg genossen: Sie waren nur der Gerichtsbarkeit des Ordens unterworfen, die von der Gesamtheit seiner Mitglieder ausgeübt wurde. Die Zugehörigkeit zum Orden wurde symbolisch durch ein goldenes Widderfell symbolisiert, das an einem blau emaillierten Feuerstein, dem Kennzeichen Burgunds, befestigt war.

1554 war Graf Egmont in der Gunst des Kaiser schon so weit aufgestiegen, dass er an der Spitze einer • spanisch-habsburgischen Gesandtschaft zur Unterzeichnung des Ehevertrages zwischen der englischen Königin »Maria Tudor (1516-1558, Königin 1553-1558, Tochter »Heinrichs VIII. (1491-1547 ) mit dem Sohn des Kaisers, dem späteren Philipp II., nach England reiste. Die Ehe zwischen den beiden blieb allerdings kinderlos.

Im Krieg mit Frankreich 1556-1559, den »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) nach dem Rückzug Karls V. von der Macht (• 1556) führte, konnte sich Egmont als Kommandant der die spanisch-niederländische Reiterei unter dem  Oberkommando von Herzog »Emanuel Philibert von Savoyen (1528-1580) auszeichnen. Der Sieg der Spanier über den den französischen König »Heinrich II. (1519-1559. König seit 1547) in der »Schlacht von St. Quentin (1557) (• 1557) und der »Schlacht von Gravelingen (• 1558) ging dabei als Heerführer auch auf das Konto von »Lamoral Graf von Egmont (1522-1568) und den militärischen Ruhm der ihn sein Leben lang umwehte und ihn zu einer Art Volkshelden machte, begründet.

Ehe »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98), der im Gegensatz zu seinem Vater in Spanien erzogen worden war und im Laufe seines Lebens nur wenige Jahre am Brüsseler Hof verbracht hatte, im Jahr • 1559 ganz und für immer nach Spanien übersiedelte, ordnete er die habsburgische Verwaltung der Niederlande neu. Unter anderem ernannte er »Graf Egmont zum • Statthalter der Provinzen »Artois und »Flandern und »Wilhelm von Oranien (1553-1584) aus dem »Haus Oranien-Nassau zum • Statthalter von »Holland und »Zeeland.

Egmont hatte sich ebenso wie der später ermordete »Wilhelm von Oranien (1533-1584) und der »Graf Hoorn (1518-1568) berechtigte Hoffnungen auf die Generalstatthalter- bzw. Regentschaft in den niederländischen Provinzen gemacht. Doch in das Machtkalkül Philipps II. passte eine Stärkung des ohnehin sehr auf seine Rechte bedachten niederländischen Adels nicht. Von ihnen konnte er sich wohl auch nicht erwarten, dass sie die schon von seinem Vater begonnene Neueinteilung der niederländischen Bistümer durchzusetzen so durchsetzen würden, dass ihm damit nicht nur neue Finanzquellen zufließen, sondern auch ein Schritt hin zur weiteren Zentralisierung der Verwaltung in den Niederlanden gelingen würde. Da der niederländische Adel damit eigene Einnahmequellen verlor, stand er dem Ansinnen ablehnend gegenüber und sah darin eine Bereicherungsstrategie der katholischen Kirche und der spanischen Krone auf Kosten ihrer alten Privilegien. Außerdem ließ auch die Ernennung von »Antoine Perrenot de Granvelle (1517-86, seit 1661 Kardinal) zum »Erzbischofs von Mecheln nichts Gutes erahnen.

So übertrug »Philipp II. seiner Halbschwester »Margarete von Parma (1522-1586), eine illegitime, aber schon 1529 von »Karl V. anerkannte Tochter, die Regentschaft in den Niederlanden, die diese bis 1567 innehatte. »Philipp II. behielt ansonsten die seit etwa einem Vierteljahrhundert eingerichteten Regierungsinstitutionen (• Staatsrat, • Geheimer Rat und • Finanzrat) bei, die dem darin vertretenen niederländischen Hochadel eine gewisse Mitregierung ermöglichte. Allerdings hatten sich, z. B. im • Staatsrat, zum Unmut der er niederländischen Hochadeligen die Kräfteverhältnisse schon eine Weile lang dadurch verschoben, dass zusehends der habsburgischen Verwaltung zugehörige Juristen zu Mitgliedern berufen wurden. Bei der Abdankung »Karls V.  von seiner Herrschaft in den Niederlanden (• 1555) stellten sie schon fünf Mitglieder, während die Adeligen es auf sieben Staatsräte brachten. Zudem wurdedas alltägliche Regierungsgeschäft mehr und mehr in die Hände des • Geheimen Rats gelegt, der nur aus Berufsbeamten und Rechtsgelehrten bestand. Was unter dem Blickwinkel der Professionalisierung verständlich war, empfand der niederländische Adel als weiteren Mosaikstein auf dem Weg zur Schaffung einer absolutistischen Herrschaft der Habsburger im Land.

Vor allem »Granvelle (1517-86), der bei der Bistumsreform »Erzbischof von Mechelen geworden und als Kardinal den kirchlichen Primat in den Niederlanden erhielt, zog in der Folgezeit den Unmut und Hass der Niederländer, über alle Standesschranken, hinweg auf sich. Das lag u. a. daran, dass er mit allen Nachdruck die Ziele »Philipps II. bei der Zentralisierung der Kirche und beim verstärkten Kampf gegen Ketzer, also gegen alle, die den neuen Glaubensrichtungen (»Lutheraner, »Wiedertäufer und »Calvinisten) anhingen, in Angriff nahm. Dabei verabscheuten die Niederländer nicht nur die drakonischen Maßnahmen der • Inquisition, die schon »Karl V. (1500-1558)1522 in den Niederlanden eingeführt hatte, sondern der Adel sah sehr wohl, dass mit den eigens dafür eingerichteten Sondergerichten, die allein der spanischen Kontrolle unterlagen, an den alten Formen der Gerichtsbarkeit vorbeiregiert wurde, die im Wesentlichen in den Händen des niederländischen Adels und der niederländischen Städte lagen.

Schon Ende Juni • 1561, kaum ein halbes Jahr nach der Ernennung »Granvelles, hatten die drei Provinzstatthalter »Graf Egmont, »Wilhelm von Oranien und Philipp von Montmorency, Graf von Hoorn (1536-1558), dem Statthalter von »Geldern und »Zutphen, offenbar genug von dem selbstherrlichen Auftreten des Erzbischofs. In einem Brief an den spanischen König »Philipp II. beschwerten sie sich darüber, dass dieser sie mehr und mehr von der ihnen zustehenden Mitregierung ausgeschlossen habe. Sie vertrauten wohl auf ihre Verdienste und exponierten sich damit auch als Opposition gegen den Kurs, den »Granvelle ganz im Einvernehmen mit dem spanischen König eingeschlagen hatte. In die gleiche Zeit fällt auch die Weigerung der niederländischen Hochadeligen, ein 2.000 Man starkes Reiterheer zur Unterstützung des französischen Königs im Kampf gegen die protestantischen »Hugenotten zu entsenden, wie es »Philipp II. gefordert hatte. Die Regentin »Margarete von Parma musste sich sagen lassen, dass die niederländische Reiterei nur dem Schutz der Niederlande selbst diente und eine Entsendung nur mit Zustimmung der Provinzen überhaupt in Frage komme. Damit dieser Konflikt nicht weiter eskalierte und das Ansehen des spanischen Königs und seiner Regentin nicht weiter beschädigte, erhält sie vom Staatsrat eine größere Geldsumme, die sie statt der Truppen nach Frankreich transferiert;

Ein Dreivierteljahr später schrieben »Graf Egmont, »Wilhelm von Oranien und der »Graf von Hoorn erneut einen Brief an den spanischen König »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98), in dem sie gegen die Politik »Granvelles protestierten, um dessen Entlassung baten und sich weigerten, weiterhin im Staatsrat zu übernehmen. Als symbolisches Zeichen ihres Unmuts über den Erzbischof ließen sie am Ende des Jahres alle ihre Bediensteten, angeblich aus Spargründen, sich mit einer Livree aus einfachem grauen Stoff bekleiden, auf deren Ärmel, auf eine Idee »Egmonts hin, eine Narrenkappe als Anspielung auf den »Kardiinalshut (galero) »Granvelles gestickt worden war. Zugleich beschlossen die niederländischen Hochadeligen, sich zu einer Liga nach französischem Vorbild (»Ligue du Bien public, 1465) zusammenzuschließen, sich künftig im • Staatsrat abzustimmen, um die Macht der spanischen Regentin zurückzudrängen und zu einer gemeinsamen Regierung von König und Adel zu kommen.

Ein Jahr später hatten sie eines ihrer Ziele erreicht. Mitte März • 1764 ließ »Philipp II. »Granvelle, den maßgeblichen Motor seiner Politik in den Niederlanden  angesichts des zunehmenden Unmuts über ihn im ganzen Land auf Gesuch der Regentin »Margarete von Parma fallen und berief ihn ab, so dass dieser die Niederlande verließ. Daraufhin nahmen auch die zeitweilig aus dem niederländischen • Staatsrat ausgetretenen niederländischen Hochadeligen »Wilhelm von Oranien, »Graf  Egmont und der »Graf von Hoorn wieder an seinen Beratungen teil. Allerdings mussten schnell feststellen, dass sich an dem harten Repressionskurs der spanischen Regentin bei der in den Niederlanden über alle Konfessionsgrenzen hinweg verabscheuten Ketzerverfolgung nichts geändert hatte. So drückt »Wilhelm von Oranien, als er an Silvester des gleichen Jahres in einer Rede im Staatsrat die Praxis missbilligte, das die Fürsten über die Religion ihrer Untertanen bestimmten, etwas aus, was nicht nur »Graf  Egmont und dem »Grafen von Hoorn geteilt wurde, sondern auch von der Bevölkerungsmehrheit in den Niederlanden, auch wenn diese noch protestantisch war. Das Plädoyer »Wilhelm von Oraniens für die Glaubensfreiheit war im Grunde nichts anderes als die Anerkennung des religiösen Status quo Im Lande, das sich aller gegenreformatorischen Repressionsmaßnahmen der Regentin im Vorhandensein von orthodoxen Katholiken, nur dem äußeren Anschein nach noch Katholiken, die sich innerlich von der Kirche abgesetzt hatten, »Calvinisten und »Wiedertäufern zeigte. Diese Forderung besaß natürlich eine Menge Sprengkraft, zumal sie in direktem Gegensatz zu dem Stand, was »Philipp II. wollte und zu dem,  was • 1555 zehn Jahre zuvor mit dem »Augsburger Religionsfrieden für das »Heilige Römische ReichCuius regio, eius religio) auch beschlossen worden war.

Um die Sache mit »Philipp II. persönlich zu klären, reiste »Graf Egmont (1522-1568) im Februar an den spanischen Hof bei Madrid. Dort hielt er sich von Februar bis Anfang April • 1565 auf. Während dieser Zeit hat er Gelegenheit, den spanischen König »Philipp II. mehrmals zu treffen und ihm als Wortführer der Adelsopposition in den Niederlanden deren Anliegen vorzutragen. Doch dieser lehnte alle Wünsche und Forderungen kategorisch ab, auch wenn der Besuch »Egmonts im Großen und Ganzen harmonisch verlaufen zu sein scheint. Als Egmont im April mit leeren Händen aus Spanien in die Niederlande zurückkam, kam es zu einem regelrechten Tumult im • Staatsrat. Der Unmut über die gescheiterte Mission Egmonts in Spanien nahm in den Wochen danach noch weiter zu, als der spanische König im Mai die Hinrichtung von sechs »radikalreformatorischen »Wiedertäufern anordnete, die zuletzt ausgesetzt worden war. Ganz unbeeindruckt davon bestand »Philipp II. weiter auf einem kompromisslosen Vorgehen gegen die vermeintlichen Ketzerinnen und Ketzer und setzte damit der zeitweisen Zurückhaltung seiner Regentin »Margarete von Parma ein Ende, die deshalb aber in den Niederlanden zusehends unter Druck geriet. Das lag vor allem daran, dass sich Ende Dezember eine bisher so nicht in Erscheinung getretene Opposition niederer Adeliger formierte, die sich offen gegen die neuerlichen Erlasse des spanischen Königs »Philipp II. zur Intensivierung der Ketzerverfolgung positionierte. Ein Vierteljahr später übergaben sie unter  Führung von »Heinrich von Brederode (1531-1568) in einem feierlichen Zug von zweihundert unbewaffneten Adeligen, die sich fortan »Geusen (Bettler) nannten, der Regentin »Margarete von Parma eine Petition, in der sie um Nachsicht gegenüber Andersgläubigen baten und die Einberufung der Generalstände der Niederlande forderten. Die Regentin sagte ihnen gemäßigteres Vorgehen mit zumindest vorübergehender Aussetzung der Inquisition gegen Andersgläubige zu. Es dauerte allerdings nicht lange, bis eine kleine Abordnung der »Geusen Ende Juni 1566 ein weiteres Gesuch an die Regentin richteten, indem sie vollständige Religionsfreiheit forderten und sich für eine Regierung der populären und einflussreichen Statthalter und niederländischen Hochadeligen »Wilhelm von Oranien, »Graf Egmont und dem »Grafen von Hoorn (1536-1558) aussprachen. Trotz des Drucks, den sie dadurch auf die Regentin ausübten, ging diese nicht direkt gegen die »Geusen vor, sondern nahm sie als Gegenleistung in die Pflicht, gegen die überall zunehmenden »calvinistischen »Heckenpredigten einzuschreiten und möglichen Ausschreitungen entgegenzutreten.

Die ohnehin angespannte Lage wurde im Laufe des Jahres noch durch weitere Ereignisse verschärft. So führten eine Missernte und die fehlenden Einfuhren des notwendigen Ostseegetreides wegen des schwedisch-dänischen Kriege in den Niederlanden zu einer Hungersnot, die von radikalen calvinistischen Predigern auch der katholischen Kirche angelastet wurde. Zudem kam es wegen eines Handelskonflikts mit England, der die Zufuhr von Wolle unterbrach, zu einer explodierenden Massenarbeitslosigkeit in den vom Tuchhandel und der Tuchproduktion lebenden ländlichen Gebieten.

Im August • 1566 entluden sich die religiösen und sozialen Spannungen. Vom 10. August an entwickelte sich ein raumgreifender, meistens gewalttätig verlaufender  »Bildersturm radikaler »Calvinisten auf katholische Kirchen und Klöster, der sich in wenigen Tagen auf etliche Regionen der »Spanischen Niederlande ausweitet. Zunächst ging es in »Flandern los, das »Graf Egmont als Provinzstatthalter der spanischen Regentin regierte. Weiter traf der Bildersturm vor allem die Provinzen »Artois. »Holland, »Zeeland, »Antwerpen und »Groningen.

»Graf Egmont, der sich, als der Bildersturm in Flandern losging, sich in »Ypern, einer der wichtigsten und größten Städte in Flandern aufhielt, wurde von dem Bischof der Stadt angesichts der Kirchenplünderungen, die schon in der Umgebung stattgefunden hatten, in der Stadt zu bleiben, um, wie es seine Aufgabe als Provinzstatthalter war, die Sicherheit und Ordnung aufrechtzuerhalten und den etwaigen Bilderstürmern in der Stadt entgegenzutreten. Doch einen Tag, bevor es richtig in Ypern losging, reiste dieser am 14. August um die Mittagszeit ab. Am 16. August waren alle Klöster und Kirchen in und um Ypern, einschließlich der Pilgerkirche in Beveren, ausgeräumt.

In »Gent, das besonders unter der schlechten Versorgungslage litt, wurde dem Magistrat am 22. August ein gefälschtes Schreiben von »Graf Egmont  vorgelegt, welches nicht nur die Zerstörung der Bilder erlauben sollte, sondern auch gleichzeitig eine Wache für die Ausführenden forderte. Beiden Anträgen wurde von Seiten des Genter Magistrats stattgegeben. In der Nacht vom 22. auf den 23. August kam es folglich zum Bildersturm in der Stadt. Als die Ausführenden am nächsten Morgen aufgefordert wurden, diese zu verlassen, waren die Einrichtungen von sieben Pfarrkirchen, einer Stiftskirche, 25 Klöstern, zehn Armenhäusern und sieben Kapellen zerstört. Dass der Magistrat auf die Fälschung hereinfiel, hatte auch damit zu tun, dass solche Aktionen offenbar oft auch mit Duldung und sogar Unterstützung von Adeligen stattfanden.

Bei der Niederschlagung der Unruhen stellten sich zahlreiche hochrangige Adlige wie »Graf Egmont auf die Seite der Statthalterin und halfen ihr bei der letztendlich erfolgreichen Bekämpfung der Unruhen. Im Auftrag des »Grafen  von Egmont erwarb sich dabei dessen Sekretär, der niederländische Edelmann »Johannes Casembroot (1526-1568), der selbst im Ruf stand, zu den Reformierten zu gehören, den Ruf, mit allen "Randalierern" kurzen Prozess zu machen, als er in »Oudenaarde in »Flandern die Ordnung wiederherstellte.

Die Briefe, in denen »Margarete von Parma (1522-1586) erstattete dem spanischen König »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) Anfang September in ausführlichen Briefen über den Bildersturm und die Lage in den Niederlanden Bericht. Dort ließ man sich aber drei Wochen Zeit, ehe der spanische Staatsrat sich überhaupt mit der Sache befasste. Als er es tat, kam es zwar durchaus zu kontroversen Beratungen über die künftige Politik in den Niederlanden, letzten Ende setzten sich aber doch diejenigen durch, die für ein hartes, militärisches Durchgreifen in den Niederlanden plädierten, weil sie andernfalls auch in den habsburgischen Besitzungen in Italien eine ähnliche Entwicklung heraufziehen sahen. »Philipp II., für den die katholische Glaubenseinheit stets Grundlage der spanischen Staaträson war, schloss sich den "Falken" an und übertrug »Fernando Álvarez de Toledo, 3. Herzog von Alba (1507–1582), meist nur als »Herzog von Alba bezeichnet, die Aufgabe, die (spanische) Ordnung in den Niederlande mit militärischen Mitteln wiederherzustellen. Nachdem dieser offenbar dargelegt hatte, wie er, nach Ankunft seines Heeres innerhalb eines halben Jahres seinen Auftrag zu erfüllen gedachte und damit prognostizierte, dass dazu nicht mehr als ca. 800 Exekutionen seiner dortigen Gegner nötig wären, erhielt der den Befehl, die verfügbaren spanischen Truppen, die zu diesem Zeitpunkt wegen der Auseinandersetzung mit Frankreich noch in Italien standen,  über die »Spanische Straße über die Alpenpässe und das deutsch-französische Grenzgebiet in die Niederlande zu führen und auf dem Weg durch Anwerbung noch zu verstärken. Dies alles dauerte seine Zeit, dass »Herzog von Alba an der Spitze seines Heeres erst Mitte des nächsten Jahres am 28.8. des nächsten Jahres in »Brüssel einzieht. Mit seiner Ankunft entmachtete er die Regentin »Margarete von Parma, die ihm noch auf seinem Vormarsch Briefe geschrieben hatte, dass sie die Lage wieder unter Kotrolle habe und sein Heer daher nicht mehr benötigt werde.

Was unter dem »Herzog von Alba auf die Niederlande zukommen würde, hatten »Wilhelm von Oranien, » Graf Egmont, »Graf Hoorn und »Ludwig von Nassau-Dillenburg (1538-1574), einem Anführer der »Geusen, in »Dendermonde schon Anfang Oktober des Vorjahres (• 1566) gemeinsam erörtert. »Wilhelm von Oranien hatte die anderen dabei ausdrücklich vor den Plänen des spanischen Königs gewarnt, die Unruhen in den Niederlanden militärisch endgültig zu beenden und auch die führenden Köpfe der Adelsopposition rollen zu lassen. Die Meinungen darüber gingen wahrscheinlich auseinander. Während »Wilhelm von Oranien und einige andere daraus die Konsequenzen zogen und vor der  Ankunft des »Herzogs von Alba im April • 1567 den Niederlanden den Rücken kehrten, blieben »Graf Egmont, und »Graf Hoorn vor Ort, was ihnen letzten Endes zum Verhängnis wurde.

Allerdings gehörte »Wilhelm von Oranien auch im Gegensatz zu »Graf Egmont zu denen, die eine von »Margarete von Parma geforderte Erneuerung des Treueschwurs verweigern, mit dem sie sich der Loyalität des Hochadels vergewissern will. Ebenso konnte sich »Wilhelm von Oranien, der selbst ja kein Niederländer war, auch einfach auf die »Dillenburg, den Stammsitz des »oranischen Zweigs des »Hauses Naussau in dem souveränen Fürstentum zurückziehen. »Graf Egmont hatte solche Optionen jedenfalls nicht und glaubte im Ausland mit seiner großen Familie wohl nicht das standesgemäße Leben fortführen zu können, das er als Hochadeliger in den Niederlanden genossen hatte.

Die ersten Wochen nach Ankunft des »Herzogs von Alba konnten den Eindruck entstehen lassen, dass alles doch nicht so schlimm, wie angenommen, werden würde. Es dauerte eine gewisse Zeitlang, bis der neue De-facto-Statthalter sich mit entsprechenden Institutionen so aufgestellt hatte, dass er seine Pläne umsetzen konnte. Dazu setzte er Anfang September den so genannten »Rat der Unruhen ein, der von der niederländischen Bevölkerung aber schon bald »Blutrat genannt wurde. In den Augen des neuen Machthabers war dies ein geschickter Schachzug, erlaubte es ihm doch an der sonstigen Gerichtsbarkeit, die sich in den Händen des Adels und der Städte befand, vorbei zu agieren. Da »Herzog von Alba alle, die an den Unruhen des vorigen Jahres beteiligt gewesen waren, des Hochverrats bezichtigte, musste er bei der Aburteilung seiner Gegner auf keinerlei Privilegien mehr Rücksicht nehmen.

Das anfängliche Stillhalten des »Herzogs von Alba war wohl nur Teil eines perfiden Plans, Informationen über die Oppositionellen aller Lager zu sammeln, seine faktischen und potentiellen Gegner in Sicherheit zu wiegen und in seine Falle zu locken, um sie im Anschluss daran umso härter verfolgen und auch gemäß seinem dem König unterbreiteten "Masterplan" binnen kurzer Zeit "liquidieren" zu können.

Der Blutrat verhängte in der Folgezeit Tausende von Todesurteilen, von denen 1037 tatsächlich vollstreckt werden. Viele, die verurteilt wurden, entgingen der Vollstreckung dadurch, dass sie rechtzeitig ins Ausland geflohen waren. In weit über 10.000 Fällen verloren die Verurteilten aber ihren gesamten Besitz, was dem spanischen Regiment »Herzog von Albas Finanzquellen erschloss die der in ständiger Finanznot befindlichen Herrschaft der spanischen Habsburger beim Unterhalt der spanischen Truppen, die von den Niederländern zusehends als Besatzungsarmee gesehen wurden, zugute kamen.

Am 9. September holte »Herzog von Alba aber schon zum Schlag gegen die führenden oppositionellen Hochadeligen aus, die noch in den Niederlanden geblieben waren. Er lockte »Lamoral Graf von Egmont der »Philipp von Montmorency, Graf von Hoorn (1536-1558)  unter einem Vorwand aus ihren Provinzen nach »Brüssel. Dort ließ er beide festnehmen und für einige Monate in »Gent einkerkern, ehe deren Sache vor dem »Blutrat verhandelt wurde. Da der Blutrat beiden Hochverrat und Majestätsbeleidigung vorwarf, auf beiden Vergehen die Todesstrafe stand, waren die Aussichten vorn vornherein schlecht, zumal den Angeklagten de facto die Möglichkeit genommen worden war, sich mit Hilfe von Anwälten zu verteidigen.

Als »Margarete von Parma (1522-1586) vier Tage später die Niederlande verließ, nachdem der spanische König »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) sie auf eigenen Wunsch hin von ihrer Statthalterschaft entbunden hatte, kam es zu einer regelrechten Fluchtwelle ins benachbarte Ausland.  Zehntausende, meistens einfache Leute, die Anhänger des neuen Glaubens waren, flohen entweder nach Deutschland oder England. Andere flüchten in die Wälder Flanderns (Waldgeusen) oder auch auf das hohe Meer »Wassergeusen), um von dort als Seeräuber noch eine längere Zeitlang alle Schiffe zu kapern, derer sie Herr werden konnten.

»Graf Egmont und »Graf Hoorn half nicht, dass sie Ritter des »Ordens des Goldenen Vlieses, waren, der, so seine Bestimmungen, die ihm angehörigen Mitglieder eigentlich nur der Gerichtsbarkeit der Gesamtheit seiner Mitglieder warf. Und auch militärische Aktionen der beiden Brüder »Wilhelms von Oranien konnten das Blatt nicht wenden, zumal der militärische Erfolg nur von kurzer Dauer war. »Herzog von Alba ließ am 1.6. auf dem Pferdemarkt von »Brüssel die ersten 19 niederländischen Adeligen hinrichten.

Vier Tage später, am 5.6. wohnte der »Herzog von Alba  persönlich der Hinrichtung der Grafen »Egmont und »Hoorn bei, die drei Tage zuvor wegen Hochverrats und Majestätsbeleidigung vom »Rat der Unruhen (Blutrat) zum Tode verurteilt worden und danach von »Gent nach »Brüssel gebracht worden waren. Die beiden niederländischen Hochadeligen wurden auf dem Markplatz (»Grote Markt) öffentlich enthauptet und ihre abgeschlagenen Köpfe auf Pfählen aufgespießt und zur Schau gestellt.

Egmonts Ehefrau seit • 1544 und Mutter seiner »12 Kinder, »Sabine von Pfalz-Simmern (1528-1578) aus dem Haus Wittelsbachhatte sich zuvor vergeblich an den spanischen König »Philipp II., an den »Herzog von Alba, an Kaiser »Maximilian (II.) (1527–1576) und zahlreiche Ritter des »Ordens des Goldenen Vlieses gewandt und sie gebeten ihres Mannes und des »Grafen von Hoorn (1536-1558) Partei zu ergreifen., d

Auch »Johannes Casembroot (1526-1568), der Sekretär des »Grafen Egmont, wurde am 9.9.1567 festgenommen und gefoltert, um ihm mögliche geheime Pläne seines Herrn zu entlocken. Auf Anweisung des »Rats der Unruhen (Blutrat) wird er im »Kastell von Vilvoorde hingerichtet. • 1566 war er noch im Auftrag seines Herrn bei der Niederschlagung der Unruhen in »Flandern besonders kompromisslos vorgegangen.

Egmonts Ehefrau »Sabine von Pfalz-Simmern (1528-1578) musste mit ihren zwölf Kindern, nachdem der gesamte Besitz des »Grafen Egmont eingezogen worden war, fortan in ärmlichen Verhältnissen leben.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 02.03.2024

  
 

 
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