Home
Nach oben
Zurück
 

 

Dürrenmatt, Der Besuch der alten Dame: Zweiter Akt

Die Orte der Dramenhandlung

Parallele Handlungsführung von Haupt- und Nebenhandlung

 
 
 
Im zweiten Akt von Friedrich Dürrenmatts Drama "Der Besuch der alten Dame" wird mit zwei parallel und synchron verlaufenden Handlungssträngen dargestellt, wie sich die Lage in Güllen nach dem Milliardenangebot Claire Zachanassians für den Mord an Alfred Ill weiterentwickelt. Damit führt sie die im 1. Akt dargestellte Handlung fort.

Nach Frizen (31998, S.25) lassen sich die segmentierten Szenen, er spricht gar von "Fetzenszenen" in drei Szenenkomplexe gliedern. Der erste Szenenkomplex besteht demzufolge in den Begegnungen Ills mit seinen Kundinnen und Kunden "und in diesem Spiegel sowohl die wachsende Amoralität des Städtchens als auch Ills Selbstanalyse." (ebd.) Im zweiten Szenenkomplex gehe es um die Konsequenzen, die Ill aus seinen Erkenntnissen ziehe und die "Serie von Umstimmungsversuchen und Hilfsgesuchen bei den staatlichen und kirchlichen Ordnungsmächten sowie bei der Ordnungsinstanz schlechthin, bei Claire Zachanassian." (ebd.) Diese beiden Szenenkomplexe entwickeln sich zusammen mit der parallelen Balkonhandlung, werden aber als Handlungsstränge am Ende zusammengeführt. Im dritten Szenenkomplex schließlich werde schließlich dargestellt, wie sich Ills Hoffnungen ins Nichts auflösen und sein Fluchtversuch scheitert.

Während die Milliardärin einfach tut, was sie am Ende des ersten Aktes nach der spontanen Zurückweisung ihres Angebots durch den Güllener Bürgermeister (S.50) ankündigt, nämlich einfach zu warten, rücken die Güllener, ohne ein Bewusstsein für ihre Verstrickung in ein Mordkomplott an Alfred Ill zu haben, von ihrer ablehnenden Haltung ab, indem sie auf den von Claire Z. verheißenen Geldsegen spekulieren.
Grundlegendes Strukturmerkmal der Handlungsführung im zweiten Akt ist die Gestaltung in zwei parallel verlaufenden Handlungssträngen, die funktional nicht gleichwertig sind, sondern in einer hierarchischen Abstufung zueinander stehen. (vgl. Pfister 1977, S.286) Man kann daher, auch wenn dies keinen kategorialen, sondern eher einen graduellen Unterschied ausmacht (vgl. ebd.), von einer Haupt- und Nebenhandlung sprechen, von einem plot und einem subplot. Die wesentlichen Impulse für das dramatische Geschehen gehen eben nicht von dem aus, was sich auf dem Balkon des Goldenen Apostel abspielt, wo Claire Zachanassian offenbar ohne geringsten Zweifel am Erfolg ihres Vorhabens harrt, sondern resultieren in der Haupthandlung aus verschiedenen Kommunikationsereignissen Ills mit den Güllener Bürgerinnen und Bürgern. Die "Szenenbruchstücke" (Frizen 31998, S.26) der so genannten Balkonhandlung fungieren wie "filmische inserts" (ebd.) und entwickeln dabei verschiedene Korrespondenz- und Kontrastbezüge zur Haupthandlung (vgl. Pfister 1977, S.287), die vor allem eines leisten: Sie "tragen den Lebensstil der großen Welt in die Öffentlichkeit und nehmen durch ihren negativen Vorbildcharakter die Lebensweise vorweg, die die Güllener kleine Welt Schritt für Schritt einzuholen im Begriff ist." (Frizen 31998, ebd.)
Ausgehend von den Fragen, die das Ende des 1. Aktes beim Zuschauer hinterlässt, kann man die zum Teil parallelen und synchron verlaufenden Handlungsstränge im 2. Akt wie folgt darstellen:

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.09.2013

         
  1. Akt ] 2. Akt ] 3. Akt ]  
       

          CC-Lizenz
 

 

Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA) Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de