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Zitate

Äußerungen von Peter Bichsel


Der anderen Figur etwas vom eigenen biografischen Material zur Verfügung stellen

»Ich bin ein völlig abstrakter Autor. Ich blieb im Grunde konkreter Lyriker. Nur kommt jetzt anderes dabei heraus. In meinem letzten Buch, "Cherubin Hammer", passierte nun etwas Seltsames. Ich bin ein Sentimentalist, ich schreibe immer sentimental, Literatur ist sentimental. Als ich den «Cherubin Hammer» begann, war ich überzeugt, kaltschnäuzig etwas von mir wegzuschreiben. [...] Und nach Erscheinen des Buches merkte ich, wie mir noch nie eine Figur so nahe gegangen ist. Ich habe mir eine Biografie auf den Leib geschrieben, die meine wurde. Sie stimmt zwar nicht, sie ist zusammengesetzt und erstunken. Natürlich, wenn man das Leben eines völlig andern beschreibt, braucht man Versatzstücke, um die Biografie aufzufüllen. Da denkt man sich nichts dabei, wenn man der andern Figur ein wenig vom eigenen Material zur Verfügung stellt. Aber ich habe bei diesem Buch bis heute nicht abnabeln können. Ich lebe immer noch so, wie wenn ich am Schreiben wäre. Da ist etwas passiert, was mir nicht hätte passieren dürfen. Das Buch ging mir auf die Haut, wie eine Strafe.« (Peter Bichsel, in: Weltwoche, 11/00 v. 16.3.00)

Über den Sinn der Literatur

»Ich glaube, der Sinn der Literatur liegt nicht darin, dass Inhalte vermittelt werden, sondern darin, dass das Erzählen aufrechterhalten wird. Weil die Menschen Geschichten brauchen, um überleben zu können. Sie brauchen Modelle, mit denen sie sich ihr eigenes Leben erzählen können. Nur das Leben, das man sich selbst erzählen kann, ist ein sinnvolles.«
(Peter Bichsel, http://www.suhrkamp.de/bichse/bicbio.htm, 26.3.00)  

Schreiben ist gefährlich

»Man kann sich nichts vom Leib schreiben. Man schreibt sich alles auf den Leib. Selbst wenn man einen politischen Artikel schreibt, wird das Elend und die Wut immer größer, nicht kleiner. Schreiben ist keine Therapie, Schreiben ist gefährlich. Auch nach dem Brief, den du deiner Freundin oder deinem Freund schreibst, um dein Elend endlich einmal jemandem herauszukotzen, geht es dir nachher nicht besser, sondern schlechter. Schreiben ist unhygienisch, gefährlich.« (Peter Bichsel, in: Weltwoche, 11/00 v. 16.3.99)

Die Tradition des Erzählens

»Die Geschichten dieser Welt sind geschrieben ... und müssen trotzdem immer wieder geschrieben werden, nicht weil wir neue Geschichten brauchen. Sie müssen geschrieben werden, damit die Tradition des Erzählens, des Geschichtenschreibens nicht ausstirbt.« 
(Peter Bichsel, http://www.surkamp.de, 26.3.00)

Mit der deutschen Sprache kann man basteln...

»Mit der deutschen Sprache kann man basteln. Und die Sätze bekommen erst Größe, wenn man sie selber macht. "Ich liebe dich." Das kann man einfach so sagen, das können alle, den Satz kennen alle. Aber ein Satz wie "du / liebe / ich / liebe / dich" ist selber gemacht. "Je t’aime" kann niemand selber machen, da kannst du machen, was du willst, das kann man nicht selber machen. Und "I love you" kannst du auch nicht selber machen, das ist einfach da. Aber im Deutschen kann man die selbstverständlichsten Sätze selber machen, und dann werden sie immer gewaltiger. Das Deutsche ist eine besoffene Sprache. Und sie hat besoffene Dichter hervorgebracht wie Jean Paul, der sich Sätze notierte wie: "Bienen besuchen Lindenblüten noch im Mondschein." Das ist ein total Besoffener gewesen, der sich voll ins Pathos stürzte." (Peter Bichsel, in: Weltwoche, 11/00 v. 16.3.00)

     
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