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Aspekte der Erzähltextanalyse: Bichsel, Die Tochter

Erzähltechnische und sprachlich-stilistische Mittel

 
FAChbereich Deutsch
Center-Map Glossar Literatur Literarische Gattungen Kurzgeschichten Autorinnen und Autoren Peter Bichsel Die Tochter  [ ● Aspekte der Erzähltextanalyse Texterfassung mit ParallelkonspektDas Thema TextgliederungInhaltsangabeDie Eltern: Indirekte CharakterisierungAblösung aus der Kleinfamilie: Lebensweisen von Eltern und Tochter  ► Erzähltechnísche und sprachlich stilistische MittelInterpretation Textvergleich mit Wolf Wondratscheks "Mittagspause" ] San Salvador Bausteine Schreibformen
So interpretiert man eine Kurzgeschichte Operatoren im Fach Deutsch

Strukturbegriffe der Erzähltextanalyse
Überblick
Auswahl (Zusammenstellungen wichtiger Strukturbegriffe)
Wer erzählt die Geschichte? (Aspekte zur Gestaltung der Erzählinstanz)
Wie wird erzählt? (Zeit, Modus, Stimme)
Was wird erzählt? (Handlung, erzählte Welt, Figur, Raum)
Analyse erzähltechnischer Mittel in der Schule: Auswahl

Baustein: Erzähltechnische Mittel herausarbeiten und beschreiben

Erzähltextanalyse mit den Kategorien der traditionellen Erzähltheorie

Die folgende ▪ Analyse der erzähltechnischen (narrativen) Mittel, die in ▪ Peter Bichsels Kurzgeschichte ▪ »Die Tochter« vorkommen, folgt den ▪ Strukturbegriffen der älteren Erzähltheorie, die bei der schulischen Interpretation erzählender Texte überwiegend verwendet werden.

Strukturbegriffe der älteren Erzähltheorie

ABC der schulischen Erzähltextanalyse

Erzähltechnische Mittel im Überblick

Die wichtigsten erzähltechnischen Mittel in ▪ »Die Tochter« werden nachfolgend auf der Grundlage der traditionellen Erzähltheorie in einer Übersicht dargestellt.

 

Darbietungsformen:

  • Showing 
    - fiktionaler Bericht: »Abends warteten sie auf Monika.«
    - szenische Darstellung: »"Sie ist wie deine Schwester", sagte die Frau [...] Ihre Freundin hat kürzlich geheiratet", sagte die Mutter.« 

  • Telling
    Beschreibung: z.B. »Sie war größer gewachsen als sie...«; »In ihrem Zimmer hatte sie einen Plattenspieler...«

  • gesprochene Rede: z.B., »Sie war immer ein liebes Kind", sagte die Mutter, während sie warteten.«

  • stumme Rede (Selbstgespräch):
    - »Sie wird auch heiraten, dachte er, sie wird in der Stadt wohnen.«
    - »Stenografieren kann sie auch, dachte er jetzt.«

Zeitgestaltung:

  • nicht-linear: Kontinuierlicher Handlungsablauf (einstündiges Warten vor dem gedeckten Tisch) durch kurze Rückwendungen unterbrochen): z.B. »Der Vater holte sich seine Lohntüte auch bei einem Bürofräulein...«; »Kürzlich hatte er Monika gebeten: "Sag mal etwas auf französisch."«

  • Zeitraffung: Erzählte Zeit (eine Stunde); z.B. »Einige Zeit später dann auch vor dem dampfenden Kaffee..."

  • Erzähltempus:

    • Präteritum: z.B. »Sie, er und seine Frau, saßen am Tisch und warteten auf Monika.«

    • präsentisches Präsens: »...die Bahnverbindungen sind schlecht.«

Raumgestaltung

  • Handlungsraum: (Küche) gedeckter Tisch, Stühle, schwedische Vase auf dem Schrank, Brot, Butter, Marmelade (Abendessen!); 

  • Kontrastraum: Zimmer von Monika: Plattenspieler, Spiegel, Kosmetikartikel, Hocker aus marokkanischem Leder, Schachtel Zigaretten

Textsorte

  • Kurzgeschichte: unvermittelter Beginn, offener Schluss; Alltäglichkeit der Sprache, des Ortes, der Personen; Kürze; Punktualität der Zeit, des Ortes, der Personen, der Handlung

Erzählperspektive

  • Personaler Erzähler, der in seinem Wissen begrenzt ist; meistens mit der Wahrnehmungsperspektive und dem Horizont des Vaters verbunden ist, dessen Gedanken auch explizit erwähnt und wiedergegeben werden. Während dies explizit als Gedankenbericht und Innensicht markiert ist, ist dies an anderen Stellen des Textes nicht der Fall. So kann man z. B.  einen Wechsel der personalen Perspektive zur Wahrnehmungs- und sprachlichen Perspektive der Mutter feststellen, wenn man z. B. den Satz " und hatte die Haut, die feine Haut der Tante Maria." auf ihren Wahrnehmungshorizont bezieht und Maria mit der später von der Mutter nochmals erwähnten Schwester ihres Mannes in eins setzt. Trotzdem dominiert, das zeigt auch die Darstellung des Vergleichs der Tochter mit dem Bürofräulein in seinem Lohnbüro, das personale Erzählen, welches überwiegend an die figurale Perspektive des Vaters gebunden ist. Das impliziert allerdings, dass sich manche Textstellen aber nicht eindeutig dieser zuordnen lassen.

  • Im Übrigen gibt es keine Hinweise auf Allwissenheit, was oft als Kriterium für auktoriales Erzählen angesehen wird. Das Geschehen wird nicht von einem übergeordneten, außerhalb des Geschehens stehenden Erzähler kommentiert und auch die vorgenommenen Rückwendungen oder Vorausdeutungen spiegeln nicht dessen Allwissenheit, sondern sind an das Wissen des Vaters und der Mutter gebunden. Dass sich der personale Erzähler mit persönlichen Kommentaren zurückhält und das Geschehen manchmal in einer Art szenischer Darstellung und in einem sehr nüchtern, geradezu neutral wirkenden Erzählerbericht darbietet (z. B. »Auf dem Schrank stand eine Vase...«), gehört zu den Eigenarten der Gestaltung des personalen Erzählens in dieser Geschichte, welche das Warten selbst nicht zum Gegenstand von Reflexionen der Figuren werden lässt.

  • Schon zu Beginn der Geschichte wird die personale Erzählperspektive Erzählperspektive an die Figur des Vaters gebunden.

    • Der Satz "Sie, er und seine Frau, saßen am Tisch" legt die personale Perspektive auf die Figur des Vaters fest, aus dessen Wahrnehmungshorizont im Allgemeinen erzählt wird, was in den Köpfen beider vorgeht. Das unterscheidet sich offenbar so wenig voneinander, dass der Vater für beide ("sie") sprechen kann. Die Verwendung der Personalpronomen "sie" und "er" zeigt darüber hinaus (auktorial müsste es wohl heißen: Der Vater und die Mutter saßen am Tisch) zusammen mit dem deiktischen Adverb "jetzt", dass der Erzähler mitten im sich täglich abspielenden Geschehens steht.

    • Die figurale Wahrnehmungsperspektive des Vaters wird also auch nicht aufgehoben, wenn später weiter im Plural von ihm/ihnen als "sie" die Rede ist. So sind z. B. die Formulierung "oft fragten sie sie" oder "dann versuchten sie wenigstens, sich genau vorzustellen" oder " das wussten sie" stets auf den Vater bezogen, der im Übrigen als einzige Figur in der Innensicht dargestellt ist, wenn als Gedankenbericht explizit formuliert wird, was er denkt oder ohne sonstige Markierung etwa ein Gedanke des Vaters (der Mutter?) formuliert wird wie: "Sie war dann ein Fräulein, das in den Tearooms lächelnd Zigaretten raucht." Auch das temporal-deiktische "Kürzlich" am Ende des Textes und die Darbietung seiner Bitte, Monika möge doch mal etwas auf Französisch sagen, zeigen, dass das Geschehen überwiegend aus der personalen / figuralen Perspektive des Mannes dargestellt wird.

    • Für die Interpretation sind diese Feststellung durchaus von Bedeutung. Zeigen Sie doch, dass die Wahrnehmung der Situation des Wartens durch den Vater und die Mutter, aus der Sicht des Vaters jedenfalls so weitgehend identisch ist, dass er für beide sprechen zu können, beansprucht. Was die Mutter denkt, kommt jedenfalls nur in dem kollektiven "Sie" zur Sprache, als dessen Sprecher zu Beginn der Geschichte eben "er" ausgewiesen wird.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 04.06.2020

   
 

 
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