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Aspekte der Erzähltextanalyse: Bichsel, Die Tochter

Lebensweisen: Eltern - Tochter

Die Ablösung aus der Kleinfamilie aus der Sicht der Eltern

 
FAChbereich Deutsch
Center-Map Glossar Literatur Literarische Gattungen Kurzgeschichten Autorinnen und Autoren Peter Bichsel Die Tochter [ ● Aspekte der Erzähltextanalyse Texterfassung mit ParallelkonspektDas Thema
TextgliederungInhaltsangabeDie Eltern: Indirekte Charakterisierung Ablösung aus der Kleinfamilie: Lebensweisen von Eltern und Tochter Erzähltechnísche und sprachlich stilistische Mittel Interpretation Textvergleich mit Wolf Wondratscheks "Mittagspause" ] San Salvador Bausteine Schreibformen So interpretiert man eine Kurzgeschichte Operatoren im Fach Deutsch

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Baustein: Die Lebensform und Lebensstile der Eltern mit dem der Tochter vergleichen

Die Ablösung aus der Kleinfamilie aus der Sicht der Eltern

In der ▪ Kurzgeschichte ▪ »Die Tochter« von ▪ Peter Bichsel werden aus der Perspektive der Eltern bzw. meist aus der personalen Perspektive des Vaters deren eigene und die von ihnen vermutete Lebensweise der Tochter einander gegenübergestellt. Zugleich wird durch die Art und Weise, wie die beiden Elternteile miteinander kommunizieren, verdeutlicht, dass sie sich nicht echt und authentisch über die Probleme miteinander austauschen, die sie mit der Situation haben, die sie nach dem Auszug der Tochter aus dem Elternhaus erwarten.

Die Lebensweisen der Eltern und ihrer Tochter unterscheiden sich in der Wahrnehmung der Eltern grundlegend. Die Perspektive der Tochter, die Art also, wie sie das Ganze sieht, wird nicht erzählt, kann nur durch die eine oder andere indirekte Charakterisierung durch die Eltern in Umrissen erschlossen werden. So zeigt die Tatsache, dass sie den Eltern auch auf deren wiederholte Bitten, etwas über und von ihrer Arbeit zu erzählen, offensichtlich keine Auskunft geben will, dass sie sich dadurch ausgefragt und kontrolliert fühlt, zu einem Zeitpunkt, an dem sie gerade ihr eigenes Leben entdeckt und erleben will. Zudem will sie sich trotz der eindringlichen Bitte ihrer Eltern, ein paar Worte in Französisch zu sprechen, nicht zu etwas hergeben, was sie aus welchen Gründen auch immer nicht will.

Eltern Monika
Mann "einfacher" Arbeiter ("Lohntüte"), Mutter Hausfrau arbeitet in der Stadt als Büroangestellte ("Bürofräulein")
  ist größer und blonder als die Eltern, hat einen feinen Teint

ähnelt in ihrem Aussehen und Verhalten der Schwester des Mannes

leben als Familie auf dem Lande außerhalb der Stadt Tochter verbringt den ganzen Tag in der Stadt, arbeitet im Büro, isst mittags in einem Tearoom und benutzt öffentliche Verkehrsmittel, hat aber (noch) ein eigenes Zimmer in der Wohnung der Eltern
folgen wie bei einem Ritual einem stereotypen Ablauf während der einstündigen Wartezeit auf die Rückkehr ihrer Tochter von der Arbeit, sitzen jede/r an seinem gewohnten Platz Monika kommt, seitdem sie in der Stadt arbeitet, eine Stunde später nach Hause
wollen, zumindest über Berichte der Tochter, an deren Leben in der Stadt teilhaben berichtet ihren Eltern nichts über ihr (Berufs-)leben in der Stadt
haben kaum Kenntnisse über andere als die eigene Lebensweise, machen sich aus ihren eigenen Erfahrungen ein Bild über die Lebensweise der Tochter

besitzen als Geschenk von ihrer Tochter eine Vase aus blauem schwedischen Glas

hat sich ein paar "moderne" Konsumartikel zugelegt:
  • hat einen Plattenspieler, hört Platten und besorgt sich welche in der Stadt, kennt die Interpreten
  • besitzt einen Spiegel, verschiedene Kosmetikartikel und benutzt Parfum
  • besitzt einen marokkanischen Lederhocker
  • liest Modejournale und raucht Zigaretten
vergleichsweise geringe Schulbildung, beeindruckt von den Französisch- und Stenografiekenntnissen der Tochter

Vater liest früher nach der Arbeit seine Zeitung

beherrscht die Kurzschrift (Stenografie) und hat Französisch gelernt

bewundern die "Weltoffenheit" und den sozialen Aufstieg der Tochter zum "Bürofräulein"

fährt mit der Bahn zur Arbeit, hat ein rotes Etui mit einer Dauerkarte (Abonnement)

hat gute Kontakte zu ihren Kolleginnen und begegnet Männern unverkrampft und selbstbewusst

isst in ihrer Mittagspause eine Kleinigkeit in einem Tearoom

wird - womöglich - bald aus dem Elternhaus ausziehen, in die Stadt ziehen und heiraten

erwarten, dass die Tochter in der näheren Zukunft aus dem Elternhaus auszieht und heiratet ihre Freundin hat vor kurzem geheiratet und damit einen eigenen "Hausstand" begründet
 

Das Ritual des gemeinsamen Abendessens eine Psychofalle?

"Alle wichtigen Dinge im Leben, auf die es letztlich ankommt, spielen sich in der Kleinfamilie zwischen nur zwei bis vier Personen ab. Die ganze materielle Abhängigkeit, aber auch alle tiefen Gefühle sind auf diesen engen Rahmen zusammengepresst. Kein Wunder, wenn sich da Fixierungen und Verstrickungen anbahnen. " So beschreibt Eva Mühlbauer-Braun (1987, S.174-186) mögliche Ursachen für die Schwierigkeiten, die mit dem Ablöseprozess der Kinder von den Eltern zusammenhängen. Und: Je länger ein junger Mensch im Elternhaus lebt, wo die Eltern bestimmen, wie gelebt wird, desto mehr Psycho-Fallen stehen bereit, die ihn davon abhalten können, einen weiteren Schritt Richtung Selbständigkeit zu tun." (ebd. S.26ff.)

Blickt man auf das gemeinsame Abendessen, das die Eltern jeden Abend in aller Schlichtheit inszenieren, kann man das Festhalten an diesem Ritual, über dessen Verlauf und seine Bewertung durch die Tochter sich die Erzählung ausschweigt, einen Versuch sehen, sich dem in absehbarer Zeit auf sie zukommende Auszug der Tochter entgegenzustemmen. Es fungiert, ohne dass sich die Eltern dieser Tatsache wohl bewusst sind, wie eine Psycho-Falle, die der adoleszenten Tochter, die dabei ist ihre Entwicklungsaufgaben wie die Übernahme von Selbstverantwortung im Beruf als Büroangestellte, den Aufbau einer Geschlechtsidentität (Kosmetik, Parfümgebrauch) oder die Entwicklung eines eigenen Lebensstils im Wege stehen. Hinter den scheinbar belanglosen Handlungen steht die weder eingestandene noch irgendwie kommunizierte Angst der Eltern, die Tochter zu verlieren.

Moderne Nesthockerei - die Möglichkeit zum Perspektivenwechsel

Heute hat sich die Sicht der (erwachsenen) Kinder auf den Auszug aus dem Elternhaus vielfach vollkommen verändert. Jugendliche und junge Erwachsene kommen mit den unterschiedlichen Lebensstilen der alten und der neuen Generation offenbar innerfamiliär bestens zurecht, was Umfragen bestätigen. "Hotel Mama" und das Wort von den "modernen Nesthockern" sind dabei die zwei Seiten einer Medaille. Jugendliche verlassen immer später das Elternhaus und messen der ▪ Familie eine wachsende Bedeutung zu.

So sehen Jugendliche ihr Verhältnis zu den Eltern (Clustering und statistische Daten)
Familie, Werte und Religion (18. Shell Jugendstudie 2019)
Moderne Nesthocker
Vorsicht Falle! Nesthockerei im Hotel Mama

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 04.06.2020

   
 

 
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