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Kohärenz

Textverstehen


Für die praktische Arbeit mit Texten in Schule, Studium und Beruf bedeutet Textverstehen das Ergebnis der Erfassung eines Textes mit bestimmten Arbeitstechniken. Dabei lassen sich vier verschiedene Formen des Textverstehens unterscheiden. 

Im Denkmodell des pragmatischen Ansatzes der Textlinguistik beruht das Verstehen von Texten auf der Erschließung seiner Texttiefenstruktur und damit der Herstellung von Kohärenz
Wer ein Textverständnis erlangt, das über die an der Textoberfläche signalisierten Elemente hinausgeht, kann gewöhnlich als Rezipient so genannte "Textlöcher", die auf der Textoberfläche bestehen, im Allgemeinen ohne weiteres schließen kann. Wer beim Textverstehen die Texttiefenstruktur und damit die Ebene der Kohärenz eines Textes (vgl. Konzeptuelle Basis) erreicht, denkt eben bei der (Text-)Rezeption mit. In dieser Textarbeit schaffen wir als Rezipienten damit erst aus dem, was wir hören oder lesen, einen konkreten kohärenten Text.

Die für solches Textverstehen nötige Textarbeit kann sich daher im Allgemeinen auch nicht nur darauf stützen, die an der Textoberfläche signalisierten Verknüpfungsmittel (Kohäsionsmittel) zu erkennen. Meistens kommt man aber auch nicht ohne sie aus. Zu diesen Signalen der Textoberfläche gehören u. a.:

  • die Orientierung an der linearen Abfolge der Textbausteine (Wörter, Sätze, Absätze)

  • die Berücksichtigung der verwendeten Kohäsionsmittel und die von diesen ausgedrückten Verknüpfungsanweisungen

Die Textarbeit, die häufig Voraussetzung des Textverstehens ist, kann in vielen Fällen nur dann erfolgreich sein, wenn - wie die nachfolgenden Beispiele zeigen - die jeweils individuellen wissensmäßigen Voraussetzungen (konzeptuelle Basis) mit einbezogen werden. 

Beispiel
Das Beispiel aus zwei Sätzen kann nach Linke u. a. ohne weiteres auf größere Texte übertragen werden. (vgl. Linke u. a. 1994, S.225)
  

Beispiel 1 Beispiel 2
Hans kommt nicht zur Konferenz. Er ist krank. Anna kommt zur Konferenz. Sie ist krank.
Verknüpfung der beiden Sätze durch Pro-Form (Pronominalisierung) 
konzeptionelle Ebene: Er ist krank = Begründung konzeptionelle Ebene nicht mehr auf den ersten Blick vorhanden bzw. erschließbar
Begründung könnte auch auf der Textoberfläche signalisiert werden:
Hans kommt nicht zur Konferenz. Denn er ist krank.
Ohne weitere Kenntnis über den Kontext erst durch Einfügen eines Kohäsionsmittels verstehbar.
Textverstehen hängt von Alltagserfahrung/Weltwissen (= konzeptuelle Basis) ab:
Wer krank ist, geht gewöhnlich nicht zur Arbeit.
= Voraussetzung für das Verstehen des Textes 
 
Durch Einfügen einer konzessiven Konjunktion (obwohl) wird auch die konzeptuelle Basis erkennbar.

(vgl. Linke u. a. 1994, S.22

In der Schule, insbesondere beim "Besprechen" von Texten, die von den Schülerinnen und Schülern abgefasst sind, kann man häufig feststellen, dass das Peer-Feedback der Gleichaltrigen nicht über Hinweise auf Elemente der Textoberfläche (Sprachrichtigkeit von Wörtern und Sätzen) hinausgeht. Die Artikulation und Beschreibung von Textlöchern, die sie bei ihrer Rezeption geschlossen haben, fällt ihnen hingegen äußerst schwer. Meistens entwickeln sie nur ein vages Gefühl davon, dass da "etwas nicht ganz stimmt." Wer sie befähigen will, über diese Grenzen hinweg die Feedback-Qualiltät unter diesem Aspekt zu verbessern, muss vor allem dafür sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler über das nötige Wissen verfügen, das sie brauchen, um die gewünschten bzw. erforderlichen Ergänzungen machen, geeignete Bezüge herstellen und damit förderliche Überarbeitungshinweise liefern zu können. (→Kooperatives SchreibenSchreibkonferenz)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 01.08.2017

       
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