Home
Nach oben

 

 

Konditional

Überblick


  Der Konditional wird nicht in allen Grammatiken als eigenständiger Modus der finiten Verbformen angesehen. Häufig gilt das würde-Gefüge (würde+Infinitiv) nur als wenig elegante Umschreibung der regulären Konjunktiv-II-Formen.
Dabei wird betont, dass diese nur dann durch ein würde-Gefüge ersetzt werden sollten, wenn die Konjunktiv-II-Formen mit denen des Präteritums übereinstimmen. In der Alltagssprache hat - dies mag man bedauern - das würde-Gefüge Konjunktivformen allerdings längst den Rang abgelaufen

Für die Beliebtheit des Konditional in der Umgangssprache gibt es auch einen guten Grund: Im Gegensatz zu vielen Konjunktiv-Formen ist das würde-Gefüge des Konditional immer ein klares Signal für den verwendeten Modus. Denn:

  • Die Konjunktiv-II-Formen bei starken Verben, deren Indikativ ein e enthält (ich lese), kommen vielen Menschen im Konjunktiv II (ich läse) undeutlich vor.

  • Andere starke Verben, die zur Bildung des Konjunktiv II nicht umlauten können (sie fingen), geben ihrer isolierten Form nach keinerlei Auskunft über den Modus.

  • Viele Konjunktiv-II-Formen, insbesondere diejenigen mit umgelautetem o oder u (ich büke, er flöhe), sind zwar deutlich, klingen den Menschen aber schon zu geziert und gelten daher als veraltet (vgl. Liste schwieriger und häufig verwechselter Verbformen)

  • Bei den meisten schwachen Verben unterscheiden sich die Konjunktiv-II-Formen von denen des Präteritums überhaupt nicht (er sagte), so dass in diesen Fällen ohnehin nur der Konditional mit seinem würde-Gefüge (würde-Umschreibung) möglich ist.

(vgl. Die würde-Umschreibung in der Alltags- und Standardsprache).

Der Konditional ist der Form nach mit dem Futur verwandt, bezeichnet aber wie die anderen Modi auch kein Tempus.

Verwendung des Konditional

Im Allgemeinen wird der Konditional wie der Konjunktiv II verwendet (vgl. Heringer 1989, S.57). Er dient dazu:

  • einen distanzierten Bericht zu geben

    • Beispiel: Es heißt, der Verteidigungsminister würde den Einsatz befehlen, wenn es so weit käme/kommen würde.
       

  • die indirekte Rede- und Textwiedergabe als Ersatzformen für den Konjunktiv I auszudrücken (indirekte Rede)

    • Beispiel: Tina sagte, sie würden erst später anfangen.
       

  • etwas nur Vorgestelltes und Nicht-Wirkliches zu kennzeichnen

    • Beispiel: Ich würde nach Australien auswandern (, wenn ich könnte).
       

  • Aussagen abzuschwächen

    • Beispiel: Ich würde meinen, dass dies ein großer Fehler gewesen ist.
       

  • Höfflichkeitsfloskeln zu formulieren

    • Beispiel: Würden Sie mir beim Aufräumen helfen?

 
 
      
Überblick ] Indikativ ] Konjunktiv ] Imperativ ] Konditional ] Bausteine ]
           

          CC-Lizenz
 

 

Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA) Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de