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Verbklassifikation

Traditionelle Klassifikationssysteme


Verben lassen sich auf verschiedene Art und Weise zu Gruppen zusammenfassen (klassifizieren)

 

1. Starke, schwache und unregelmäßige Verben

Eine grundlegende Einteilung in verschiedene Arten von Verben ist die Unterscheidung nach starken, schwachen und unregelmäßigen Verben. Dabei wird die Art, wie die Verben das Präteritum und das Partizip II zum Kriterium der Klassifikation.

Daneben gibt es allerdings auch, je nach Aspekt und Erfordernissen, andere Einteilungen (Verbklassifikationen). Für Verwirrung ist dabei allenthalben gesorgt. Was dem einen Grammatikforscher ein so genanntes Hilfsverb, ist dem anderen ein solches Gräuel, das er auf diese Kategorie schlicht verzichtet. (vgl. Engel 1996, S.391) So bleibt nur das Referieren z. T. doch  sehr unterschiedlicher und miteinander konkurrierender Klassifikationssysteme.

2. Vollverben, Hilfsverben, Modalverben, modifizierende Verben, Funktionsverben

In traditionellen Grammatiken (vgl. DUDEN - Deutsche Grammatik kurzgefasst, 2003, S.7, Heringer 1989, S. 16, Rötzer 1985 S. 87, Hinze 1968, S.69) wird häufig  unterschieden zwischen:

  • Vollverben:
    Verben, die eigenständig sind, und auch allein das Prädikat eines Satzes bilden können.
    Beispiele: geben, fragen, rufen, kaufen - Ich gebe dir das Buch. Wir haben uns das auch gefragt. - Wen rufst du? - Kauf dir doch dein neues Auto!
     

  • Hilfsverben:
    Verben, die anderen Verben dabei "helfen", bestimmte finite Verbformen zu bilden.
    Beispiele: sein, haben, werden - Wir sind in Urlaub gefahren. - Ich habe das Haus gebaut. - Wir werden erst morgen kommen.
     

  • Modalverben:
    Verben, sich mit dem Infinitiv eines anderen Verbs verbinden.
    Beispiele: sollen, müssen, können, dürfen, mögen, wollen - Wir sollen losgehen. - Ihr müsst schlafen. - Sie können bei uns arbeiten. - Du darfst heute fahren. - Ich möchte meine Ruhe haben. - Sie will heiraten.
     

  • Modifizierende Verben:
    Verben, die in Verbindung mit einem Vollverb im Infinitiv mit zu dessen Inhalt abwandeln (modifizieren).
    Beispiele: Es schien (hatte den Anschein) der Tag der Rettung gekommen zu sein. - Es war kein einziger vernünftiger Spielzug zu erkennen (man konnte nicht erkennen). - Wir haben noch die Zimmer aufzuräumen (wir müssen noch).
     

  • Funktionsverben:
    Verben, die sich mit so genannten Verbalsubstantiven verbinden und dadurch verbale Streckformen bilden. Die Hauptbedeutung liegt dabei allerdings beim Verbalsubstantiv und nicht beim Funktionsverb.
    Beispiele: zum Ausdruck bringen, zur Sprache bringen, zu Ansehen kommen, zur Geltung bringen - Ich möchte mein Bedauern zum Ausdruck bringen. - Wir bringen diesen Punkt morgen zur Sprache. - Er ist mit seinen Arbeiten zu hohem Ansehen gekommen. - Du hast dein Anliegen wirklich gut zur Geltung gebracht.

3. Zustandsverben, Vorgangsverben, Tätigkeitsverben

  • Zustandsverben geben Aufschluss über den Zustand, in dem sich ein Subjekt befindet.
    Beispiele: Ich bin der Paul - Konstanz liegt am Bodensee.

  • Vorgangsverben drücken eine Veränderung aus, die meist einen Prozess darstellt.
    Beispiele: Das Telefon läutet seit fünf Minuten ununterbrochen. - Die Ferien vergehen immer wie im Flug.

  • Tätigkeitsverben (auch: Handlungsverben genannt) drücken aus, dass jemand etwas tut bzw. handelt.
    Beispiele: geben, fragen, machen, sagen
     

4. Persönliche und unpersönliche Verben

Persönliche und unpersönliche Verben unterscheiden sich danach, in welchen Personen finite Verbformen bei ihrer Konjugation vorkommen.

  • Persönliche Verben können finite Verbformen in allen drei Personen bilden.
    Beispiel: Ich gebe - du gibst - er, sie, es gibt - wir geben - ihr gebt - sie geben

  • Unpersönliche Verben können sich nur mit es (3. Pers. Sg. Neutrum) verbinden.
    Beispiele: Es schneit. - Es nieselt. - Es scheint die Sonne. -  Es donnert. - Der Fußboden blitzt vor Sauberkeit.

5. Durative Verben, punktuelle Verben, perfektive Verben

  • Durative Verben heben den linear andauernden Verlauf hervor und kommen häufig gemeinsam mit Angaben über die Zeitdauer vor.
    Beispiele: schlafen, warten, reisen, fahren, wissen

  • Punktuelle Verben betonen den sich gerade vollziehenden Übergang und kommen nicht so häufig gemeinsam mit genauen Zeitangaben vor.
    Beispiele: schießen, finden, passieren, merken

  • Perfektive Verben (auch resultative Verben genannt) verbinden den durativen Aspekt mit dem punktuellen Aspekt, indem sie den momentanen Übergang betonen, zugleich aber die vorangehende Handlung oder das vorangehende Geschehen, das zu dem Ergebnis (Resultat) geführt hat, als wichtig darstellen.
    Beispiele: verglühen, verbrennen, verschwinden, besteigen

  • Ingressive Verben (auch inchoative Verben genannt) stellen ebenso eine Art Kreuzung zwischen durativen und punktuellen Verben dar. Sie betonen den augenblicklichen Übergang, stellen aber zugleich das Nachfolgende als wichtig dar.
    Beispiele: einschlafen, aufwachen, erfahren, erblicken
     

6. Reflexive und nichtreflexive Verben

  • Reflexive Verben verlangen stets ein Reflexivpronomen, das sich auf das Subjekt zurückbezieht.
    Beispiele: sich weigern, sich grämen, sich verbeugen, sich enthalten
     
            
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