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Hauptsatz-Infinitiv-Konstruktion

Überblick


Die Einbettung der Primäräußerung als Infinitivsatz im Rahmen einer Hauptsatz-Infinitiv-Konstruktion kommt häufiger bei schriftlichen als mündlichen Formen der indirekten Wiedergabe vor. In der Schule findet man sie z. B. bei der strukturierten Textwiedergabe, aber auch bei den journalistischen Darstellungsformen ist sie weit verbreitet. Aber gerade dort zeigen sich auch die Grenzen, Möglichkeiten und Risiken. Mit der entsprechenden Redeeinleitung ist nämlich schnell die Neutralität dahin und der Text bei der Wiedergabe entstellt.
 

Frau Kern hat sich im Gespräch mit der Klassenlehrerin ihres Sohnes Kai Rat geholt (Bild links). Am nächsten Tag äußert sie sich gegenüber Kai. (Bild rechts)

Im hier vorliegenden Fall hält sich die Mutter bei ihrer indirekten Wiedergabe sogar noch sehr stark an den Wortlaut der Äußerung der Klassenlehrerin, sicher ist dies allerdings bei einer derartigen Form der indirekten Wiedergabe keineswegs. Sie könnte damit genau so gut - und zwar auch mit anderen Worten - den Sinn der Äußerung bzw. die von ihr angenommenen Intentionen (Absichten) des Sprechaktes der Lehrerin  wiedergeben.

Die Hauptsatz-Infinitiv-Konstruktion zur indirekten Wiedergabe kommt z. B. bei den folgenden Sprechakten besonders häufig vor.

Probleme und Grenzen

Allerdings reichen solche Signale (Wiedergabeindizes) wohl kaum aus, denn sie können zum Teil auch nur auf einen Sachverhalt oder ein Verhalten verweisen und stellen dann natürlich nicht notwendigerweise auch tatsächlich gesagte oder geschriebene Primäräußerungen dar.
Aus diesem Grund kann es auch leicht zu Entstellungen kommen, wenn der jeweilige Sprechakt, anders als vom Sprecher gemeint, bezeichnet wird. Wie schnell kann aus einem Wunsch z.B. ein Befehl werden, wenn er so beim Hörer "ankommt"! Mit der Bezeichnung des Sprechaktes kann derjenige, der eine Äußerung wiedergibt, diese ganz eindeutig kommentieren bzw. interpretieren..
Nur wenn der Sprechakt selbst vom Sprecher der Primäräußerung selbst explizit ausgesprochen wird, kann man bis zu einem gewissen Grad von einer mehr oder weniger korrekten indirekten Wiedergabe ausgehen. Dies ist bei performativen Äußerungen wie dem des Versprechens der Fall oder wenn der Sprecher dies selbst explizit äußert.

Beispiel:.
"Ich warne Sie! Tun Sie sich nicht mit sexistischen Sprüchen bei Ihren männlichen Kollegen hervor!"

Die Primäräußerung, die dem oben unter Warnung formulierten Beispiel zugrunde liegt, hätte die Sprecherin allerdings auch anders realisieren können., z. B.:

"Fangen Sie bloß nicht mit sexistischen Sprüchen an, um bei ihren männlichen Kollegen Eindruck zu schinden!"

Im Gegensatz zu konjunktivischen Formen der indirekten Wiedergabe steht derjenige, der die Äußerung in einer Hauptsatz-Infinitiv-Konstruktion wiedergibt, damit im Prinzip nicht dafür ein, dass dies auch tatsächlich so gesagt worden ist. Dies gilt in gewisser Hinsicht aber für alle nichtkonjunktivischen Formen der Textwiedergabe, deren Nähe zum Wortlaut der wiedergegebenen Primäräußerung in ähnlicher Weise gestaltet werden kann.
 

      
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