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Den Partner festlegende Sprechakte

Ratschlag


Bei dem den Partner festlegenden Sprechakt des Ratschlages will ein Sprecher seinen Partner zu einem für diesen vorteilhaften Verhalten bewegen.

Wenn der Sprecher allerdings nicht auch selbst von der Vorteilhaftigkeit seines Ratschlages für seinen Partner überzeugt ist, spricht man vom Überreden des Partners.

Beispiele:

  • Als Arzt empfehle ich Ihnen, regelmäßig Ausdauersport zu betreiben.

  • Bei Arthrose. Hagebuttenpulver!

  • Nehmen Sie doch eine Zange zur Hilfe.

  • Ich gebe dir einen gut gemeinten Rat:

  • Ich rate dir, nicht zu spät zu kommen.

  • Wenn ausgetrocknete Kopfhaut juckt, bitte kein normales Antischuppen-Shampoo.

  • Wir empfehlen bei Kopfschmerzen. Togal

  • "Das richtige Deo entscheidet." (Werbung für Right Guard Xtreme Sports mit Bild des deutschen Fußballspielers Sebastian Schweinsteiger)

  • Mein Tipp: Fahrradhelm tragen!

Ratschläge werden auch mit explizit performativen Äußerungen ausgedrückt, die u. U. eindrücklicher wirken. Im Zusammenhang mit Ratschlägen kommen auch Partikeln zum Einsatz wie ein unbetontes "doch" oder "mal". Während das "doch", Zustimmung einfordert, will das "mal" eher beschwichtigen. Häufig lassen sich Ratschläge ohne Heranziehung des Kontextes so ohne weiteres von anderen Sprechakten unterscheiden.
In der Alltagskommunikation versteht man unter einem gut gemeinten Rat im Allgemeinen einen Ratschlag, von dem derjenige, dem etwas geraten wird, im Allgemeinen nicht glaubt, dass der Rat ihm wirklich von Nutzen sein könnte.
Insbesondere in der Werbesprache wimmelt es "von scheinbaren Ratschlägen". (Engel 1996, S.50) Dabei spielen insbesondere so genannte Sekundärsender eine Rolle, in der Regel Prominente mit einem bestimmten Image, die den potenziellen Konsumenten gerne "gut " Ratschläge geben. (Einbezug von Gewährsleuten -Sekundärsender).

Ratschläge werden heutzutage auch allerorten von den Medien erteilt. So gibt es Zeitschriften dafür und eine unüberschaubare Menge von Ratgeberliteratur in Buchform.
Das Internet hat dabei ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Die Kommunikationswege und -kultur des Social Web macht es besonders leicht, dass sich jeder zum Ratgeber eines jeden machen kann, indem er entsprechende Ratschläge und Tipps für alle denkbaren Bereiche des Alltagslebens per Text-, Bild- oder auch Videopost im Internet publiziert. Die derzeit wohl bekannteste Plattform in Deutschland ist die  "Ratgeber-Community" »www.gutefrage.net, die Fragen "zu Themen wie Auto, Computer, Gesundheit, Haushalt, Internet, Kinder, Recht und Technik. Sie finden hier aber auch hilfreiche Informationen zu Themengebieten wie Ausbildung, Diät, Fitness, Haustiere, Heimwerken, Kosmetik, Pflanzen, Reisen, Steuern, Versicherung und Wellness" aufgreift und mit entsprechenden Ratschlägen und Tipps ihrer Usergemeinde beantwortet.

Alle diese medialen Ratgeber schließen dabei jene Lücken, die im Zuge von Entraditionalisierungsprozessen an Orientierungen im Alltagsleben individualisierter Individuen entstanden sind und immer wieder neu entstehen.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 05.11.2014

  

 
   Arbeitsanregungen:

  1. Ordnen Sie die Beispiele nach explizit performativen Äußerungen, nominalen Ausdrücken und indirekten Formen von Gratulationen.

  2. Meistens kann man, ohne den situativen Kontext zu berücksichtigen, nicht entscheiden, ob es sich bei einer Äußerungen um einen Ratschlag oder eine Aufforderung handelt. 
    Versuchen Sie die oben dargestellten Sprechakte für jeweils andere Kontexte zu intonieren.

  3. Was ist ein "gut gemeinter" Ratschlag, wenn man das Kriterium der Vorteilhaftigkeit für Sprecher und Partner berücksichtigt?
     

 
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