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Perlokutiver Akt

Überblick

 

  Der perlokutive Akt, auch perlokutionäre Akt - beides sind Übersetzungsvarianten des englischen Begriffs perlocutionary act - wurde von »John Langshaw Austin (1911-1960) in die Sprechakttheorie eingebracht. Damit sollen die Folgewirkungen bzw. die Nachgeschichte einer Sprechhandlung wie z. B. jemanden überzeugen oder jemanden überreden mit in die Analyse einbezogen werden. Diese werden nämlich mit der Betrachtung des Illokutionsaktes, der intentional nur auf die sozial und situativ erwartbaren Konsequenzen, nicht aber die tatsächlich eingetretenen Wirkungen ausgerichtet ist, nicht erfasst.
Auch wenn Äußerungsakt, propositonaler und illokutiver Akt die in einem Sprechakt wohl wichtigsten Teilakte darstellen, wird ein Sprechakt erst mit der Berücksichtigung des perlokutiven Aktes vollständig erfasst, da er die beabsichtigte Reaktion einer angesprochenen Person darstellt. (vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann 1994, S.187)

Bei den in der Abbildung dargestellten Äußerungen wird besonders deutlich, worauf der perlokutive Akt abhebt. Wie der illokutive Akt betrifft er das, was man gemeinhin als den Sinn oder die kommunikative Funktion des Sprechaktes bezeichnen kann,  (vgl. Linke/Nussbaumer/Portmann 1994, S.187) Das wird in den vorliegenden Fällen deutlich

  • Mit der Äußerung "Ich werde gleich sauer!", soll offensichtlich eine Drohung ausgesprochen werden, die den Gesprächspartner einschüchtern soll und ihn u. U. von einer bestimmten Verhalten abbringen..(→Den Sprecher und den Partner festlegender Akt)

  • Die Äußerung "Super gemacht, echt!" soll den Gesprächspartner positiv stimmen, vielleicht sogar mit diesem Lob froh machen und u. U. motivieren, so weiterzumachen.(→ Den Partner festlegender Akt)

  • "Das solltest du besser nicht tun!" ist ein Ratschlag bzw. eine Aufforderung, eine bestimmte Handlung nicht auszuführen. (→ Den Partner festlegender Akt)

  • Mit "Bitte, lass das!" versucht der Sprecher mit einer Bitte seinen Partner dazu zu bringen, dass er mit einem ihm nicht angenehmen Verhalten aufhört. (→ Den Partner festlegender Akt)

In allen diesen Fällen ist es für den Gesamterfolg des Sprechaktes wichtig, ob "der Versuch, die angesprochene Person durch das, was ich sage, zu beeinflussen" (ebd,), erfolgreich ist oder nicht, ob ich also "die intendierte Wirkung beim Adressaten erreiche oder nicht." In Frage steht z. B. bei der ausgesprochenen Drohung, ob ich meinen Kommunikationspartner damit tatsächlich auch einschüchtern kann.

Der perlokutive Aspekt eines Sprechaktes kann, wie die anderen Teilakte auch, zur Kompetenzstufenentwicklung und Niveaukonkretisierung im kompetenzorientierten Deutschunterricht herangezogen werden. Ein Beispiel, wie auch der perlokutive Akt in Modelle der Schreibentwicklung Becker-Mrotzeck (1997) bei der Analyse der Schreibentwicklung herausgearbeitet hat.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.09.2013

 
      

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