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Schriftgestaltung

Überblick

 
 
  Die schriftliche Kommunikation mit Sprache hat immer auch eine Schriftgestalt, Schrift ist immer auch Schriftbild. Dazu wissen wir häufig aus Erfahrung, durch den Erwerb entsprechender Schemata, welche Schrift zu welchem sprachlichen Inhalt passt. Durch Konvention ist geregelt, dass wir z. B. die Gestaltung einer Beileidskarte in einer hingekritzelten und unleserlich wirkenden Schrift als eher unpassend empfinden. Die formale Schriftgestaltung steht mal mehr mal weniger stark in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Inhalt, kann aber die Rezeption des Inhalts wirksam steuern.

Was ist Typographie?

Die Typographie, eine Zusammensetzung aus den beiden altgriechischen Wörtern typos (Druck) und graphein (Schreiben), bezeichnet "in erster Linie die Gestaltung eines Druckwerks mittels Schrift, Linien und Flächen sowie Farben und Papier." (Köhler 2002, S.6) Im engeren Sinne ist Typographie "die Kunst, richtige Abstände und Proportionen für Texte zu finden." (Khazaeli 1995, S.62)

Die Geschichte der Typographie  ist im 20. Jahrhundert von einem ständigen Hin und Her von Ausschweifung und Reduktion gekennzeichnet, "wobei man heute in einem vorläufigen Zielraum angekommen zu sein scheint, in dem sich alle Stile tummeln, die es geschafft haben, überhaupt gemessen und überliefert worden zu sein." (Gmür 2011) Dies bedeutet freilich nicht, dass überall der Trend zum Stilmix um sich greift.
Zeitgeist, Trends und Moden spiegeln sich in bestimmten Schriftgestaltungen ebenso wieder wie die Notwendigkeit, auf einem Markt, auf dem Produkte und Firmen miteinander konkurrieren, eine bestimmte »Marke zu stützen. (vgl. Klein 2001) Die Schriftgestaltung ist heute ein zentrales Mittel dafür geworden, "um sich auszuzeichnen, Zugehörigkeit zu markieren, eben Typisches erkennen zu können." (ebd.) Und so gehört die Schriftgestaltung auch zu einem der unverzichtbaren Bestandteile jedes »Corporate Designs, mit dem z.B. die »Unternehmensidentität (corporate identity) eines Unternehmens oder einer Organisation gefördert und signalisiert werden soll. Die Festlegung von Regeln für deren gesamtes Erscheinungsbild betrifft so auch sämtliche Kommunikationsmittel (Firmenzeichen, Geschäftspapiere, Werbemittel, Verpackungen, Internetauftritt und andere). Häufig umfasst es auch das Produktdesign der Waren und Dienstleistungen. Zugleich sind dem Schriftdesign natürlich auch Grenzen gesetzt. Auch wenn wahrscheinlich jedem großen Unternehmen lieb wäre, auch über eine einzigartige Schrift identifiziert zu werden, setzt natürlich auch die Kompatibilität der Schriften Grenzen. Geschäftspost und Dokumente, die in einer herkömmlichen Textverarbeitung bearbeitbar bleiben sollen, können nicht einfach in einer ganz besonderen Schrift gestaltet sein, wenn garantiert bleiben soll, dass ihre Gestalt auch auf einem anderen Rechner in der ursprünglichen Weise erscheint. Verfügt der Zielrechner über diese Schrift nicht, wird das noch so professionell gestaltete Dokument durch die automatische Zuweisung einer, meist wenig anmutenden Ersatzschrift, kurzerhand "verunstaltet".

Die Marktführer: Helvetica, Arial und Univers

Wer über den Blick über die Masse der "Fonts", die heute dem Computernutzer angeboten werden, darauf richtet, welche Schriftarten heute den Markt dominieren, stößt schnell auf drei von ihnen: »Helvetica, »Arial und »Univers. Dabei gibt es natürlich von jeder dieser Schriften zahlreiche Schriftschnitte. Von der Helvetica, der man deshalb in Fachkreisen eine gewisse "Chamäleon-Natur" bescheinigt, sollen es angeblich über 200 sein, "von 'Light Condensed', über 'Italic' bis 'Extrabold Extended'. Satz, Farbe, Komposition mit anderen Schnitten und Schriften, Bildern und Formen sowie Buchstabenabstände und Schriftgröße machen aus der 'Helvetica' immer wieder etwas anderes."  (Gmür 2011)

Helvetica: "Eine Schrift ohne Füße und Dächer"

Die »serifenlose Helvetica (»DIN 16518, "Schrift ohne Füße und Dächer") hat dabei den Ruf "die neutrale Schrift schlechthin" (Gmür 2011) zu sein. Weil sie unaufdringlich, einfach, modern und klassisch zugleich, im Aufbau harmonisch, scharf und sauber geschnitten, ohne kalt zu wirken sei, habe sie schließlich ihre große Verbreitung zu verdanken. So könne man sie bei Fluglinien und Friseurgeschäften ebenso finden, wie auf Klebstoffen von 3M. Einfache Take-Away-Buden machten damit ebenso auf sich aufmerksam wie der Autohersteller Saab. Ob Zahnpflege (Oral-B) oder Tupperware, nahezu überall verbinde man mit der Helvetica wohl die Vorstellung von einer "fast unsichtbare(n) Schrift, die Botschaften direkt vermittelt."  (vgl. ebd.) Darüber hinaus, das zeige ihre seit 1984 von Apple genutzte Verwendung als Mac-Sytsemschrift, dass sie über ausgezeichnete Bildschirmqualitäten für das Desktop-Publishing verfügt.

An der Helvetica arbeiten Profis in aller Welt, aber auch viele Hobby-Designer. Und so findet man auch unzählige Plagiate, die mit ganz unterschiedlichen Namen aufwarten, wie z. B. Swiss, Switzerland, Geneva/2, Hamilton, HE, Helios, Helios/II, Helv, Helvette,, Swiss 721, Triumvirate, Vega, Video Spectra etc. (vgl. wikipedia)

Profidesigner sind sich, wie könnte es angesichts der auf dem Spiel stehenden Interessen anders sein, uneins darin, ob  Schriftgestaltung sich eher an emotional oder rational orientierten Designkonzepten ausrichten soll: "Braucht es eine romantische Schrift, um 'ich liebe dich' auszudrücken?" (ebd.) Dabei ist nicht nur an die nächstliegenden Kontexte zu denken, welche Schrift nämlich eine Geburtstagkarte für einen bestimmten Adressatenkreis interessant macht. Weitaus interessanter scheint der Aspekt, dass man heute sich heute schon als einigermaßen versierter Computernutzer seine eigene Handschrift einscannen und zur Maschinenhandschrift umfunktionieren kann. Ein Markt, der sich den Problemen individualisierter Lebensformen in unserer Gesellschaft sehr gut anzupassen scheint. Und die Handschrift selbst? Wen kümmert's ...

Schrift bzw. Text und Bild haben dabei besondere Eigenschaften, die sie für die Kommunikation in jeweils besonderer Weise geeignet machen. (vgl. Grundlagen der Bildkommunikation)

Schrift und Schriftbild stehen dabei in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Während die Schrift den Inhalt vermittelt, kann das Schriftbild vor allem Emotionen ausdrücken bzw. beeinflussen. So nimmt der Leser einer Schrift ganz von selbst Eigenschaften wahr, die mitunter über die eigentliche Zeichenbedeutung hinausgehen. Dies bezeichnet man auch als die Anmutung von Schriften. Auch wenn sich die besondere Anmutung bestimmter Schriftbilder meistens nicht rational bestimmen lässt, führt sie doch zur Auslösung von Assoziationen und Gefühlen. (vgl. Felser 1997, S.287f.)

In jedem Fall trägt die typographische Gestaltung dazu bei, dass und inwieweit sich die Aufmerksamkeit des Rezipienten auf den Text richtet. Die wichtigsten Faktoren sind dabei nach Urban (1980, S.20):

  • Schreibweise (Groß- oder Kleinschreibung)

  • Schriftrichtung (umgekehrt, seitenverkehrt etc.)

  • Schriftart (Antiqua, Grotesk, Fraktur)

  • Schriftcharakter (Schriftschnitt: Varianten wie kursiv, mager, fett, Neigungsgrad)

  • Schriftgröße  (Schriftgrad groß oder klein)

  • Wiedergabe (gesperrt, unterstrichen etc)

  • bildhafte Typographie (konkrete Poesie, dadaistische Spielformen)

Besonders gut lässt sich dies an dem Drucklayout von Zeitungen beobachten, das dem Lead-Stil folgt, oder bei Werbeanzeigen, die die Aufmerksamkeit ihrer Leserinnen und Leser auch mit typographischen Elementen (z. B. Gestaltung von Headline und Fließtext) erregen und steuern wollen.
In jedem Fall muss – wenn nicht, wie z. B. bei der Konkreten Poesie andere künstlerisch-ästhetische Ziele verfolgt werden – die Lesbarkeit der Schrift gewährleistet sein. Die Lesbarkeit bzw. Lesefreundlichkeit einer Schrift ist dabei von einer ganzen Reihe von Faktoren abhängig, die mit der Schriftwahrnehmung im Allgemeinen und der Schriftgestaltung im Besonderen zusammenhängen  (vgl. Kriterien für die Schriftgestaltung).

Eine besondere Rolle spielen dabei Konventionen, die Schriften mit einem spezifischem Schriftcharakter und einer besonderen Anmutung nur bestimmten gesellschaftlichen Bereichen oder Medien (Printmedien, elektronische Medien) zuordnen. Allerdings sind diese Konventionen nur bedingt verbindlich und die Wahrnehmungs- und Rezeptionsgewohnheiten der Leser befinden sich in einem steten Wandel. Was heute unmöglich erscheint, ist schon morgen "trendy". Aber: Bestimmte Schriften eignen sich nicht unbedingt zu jedem Mitteilungszweck. So passen bestimmte altertümliche Schriftarten mit ihren Schriftfamilien (Fonts), z. B. Fraktur, normalerweise nicht in den Werbeprospekt einer Firma, die ein fortschrittlich-dynamisches Image pflegen will. Andererseits haben solche Schriften eine große Symbolwirkung, wenn sie wie im rechtsextremistischen Milieu üblich das Wir-Gefühl ihrer Mitglieder stärken und Gegner einschüchtern sollen. Und die typographische Gestaltung zahlreicher CD-Covers so genannter Skin-Bands lassen mit den in Frakturschrift gesetzten, aus der altgermanischen Mythologie entnommenen Bandnamen keinen Zweifel an den Vorbildern und Feindbildern der Szene. Die Schriftgestaltung „schreit“, wenn man so will, schon hinaus, was die im Liedtext meist ebenso hinausgeschrienen rassistischen und fremdenfeindlichen Inhalte propagieren sollen.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 04.09.2016

 

 
   
   Arbeitsanregungen:
  1. Informieren Sie sich in der Online-Enzyklopädie Wikipedia über das Thema »Schriftarten.

  2. Erläutern Sie am Beispiel der Schriftarten Helvetica, Arial und Univers Verfügbarkeit, emotionale Wirkung und Lesbarkeit.

  3. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Verwendung von Schriften in einer multimedialen Präsentation?
     

 
     
     
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