Zu schreiben und mithin auch Texte
zu gestalten ist eine ▪
Kulturtechnik der Menschheit, deren Anfänge etwa 6.000
Jahre zurückliegen.
Dabei hat sich das Äußere der Schriftsprache immer wieder gewandelt und
wurde zahlreichen Modetrends unterworfen. So hat sich heute eine Vielzahl von
Schriften entwickelt, deren Liste seit der Einführung des Computers immer
länger wird.
In jedem Fall muss – wenn nicht, wie z. B. bei der
▪
Konkreten Poesie andere künstlerisch-ästhetische Ziele
verfolgt werden – die Lesbarkeit der
Schrift gewährleistet sein.
Die Lesbarkeit bzw. Lesefreundlichkeit
einer Schrift ist dabei von einer ganzen Reihe von Faktoren abhängig, die
mit der Schriftwahrnehmung im Allgemeinen und der Schriftgestaltung im
Besonderen zusammenhängen.
Um sie zu gewährleisten, kann man sich an verschiedenen ▪
Kriterien für die Schriftgestaltung orientieren, die das
Schriftdesign als Ganzes bzw. dessen Einzelaspekte wie
Eine besondere Rolle spielen dabei Konventionen, die Schriften mit einem
spezifischem Schriftcharakter und einer besonderen Anmutung nur
bestimmten
gesellschaftlichen Bereichen oder Medien (Printmedien, elektronische Medien)
zuordnen.
Allerdings sind diese Konventionen nur bedingt verbindlich und die
Wahrnehmungs- und Rezeptionsgewohnheiten
der Leser befinden sich in einem steten Wandel.
Was heute unmöglich
erscheint, ist schon morgen "trendy". Und alles ist natürlich auch
eine "Geschmackssache".
Aber: Bestimmte Schriften eignen
sich nicht unbedingt zu
jedem Mitteilungszweck.
-
So passen bestimmte altertümliche
Schriftarten mit ihren Schriftfamilien (Fonts), z. B. Fraktur, normalerweise
nicht in den Werbeprospekt einer Firma, die ein fortschrittlich-dynamisches
Image pflegen will.
-
Für ▪
Kondolationsbriefe, mit denen man sein Beileid zum Tode
eines Menschen ausdrückt, passen, zumindest in bestimmten
gesellschaftlichen Gruppen, nicht unbedingt irgendwelche Fancy-
oder Fun-Schriftarten, die sonst gerne bei Tattoos verwendet
werden.
Andererseits haben etliche Schriften auch eine große
Symbolwirkung.
So
werden bestimmte Schriftarten wie z. B. die Frakturschriften, gerne im
▪
rechtsextremistischen Milieu verwendet. Sie sollen das Wir-Gefühl ihrer Mitglieder stärken und Gegner einschüchtern.
Und die typographische Gestaltung zahlreicher »CD-Covers so genannter
Rechtsrock- und
Skin-Bands lassen mit den in Frakturschrift
gesetzten, aus der altgermanischen Mythologie entnommenen Bandnamen keinen
Zweifel an den Vorbildern und Feindbildern der Szene.
Die Schriftgestaltung
"schreit“, wenn man so will, schon hinaus, was die im Liedtext meist ebenso
hinausgeschrienen rassistischen und fremdenfeindlichen Inhalte propagieren
sollen.
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
11.01.2024