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Textprozeduren

Überblick

Konzepte der Schreibkompetenz


DIDAKTIK
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Wer schriftliche Texte verfassen will, muss auch schreiben können

In diesem Zusammenhang gilt also: Wer Texte verfassen will, muss auch schreiben können und Texte verstehen können. Ohne Beherrschung der Schriftzeichen kann Schreiben nicht funktionieren. So muss man beim Schreiben stets auch sehen, dass es in einem bestimmten literalen Handlungskontext stattfindet und verschiedener literaler Kompetenzen bedarf. (vgl. ebd.)

Die tabellarische Darstellung zeigt, auf welchen literalen Kompetenzen Schreiben als Schrift- und Textproduktion beruht und lenkt den Blick zugleich darauf, welche Kompetenzen zusammenwirken müssen, damit bestimmte Tätigkeiten wie Schrift schreiben, Schrift lesen, Texte schreiben und Texte lesen überhaupt ausgeführt werden können. Dies wird auch den schulischen Schreibunterricht stärker zu beschäftigen haben.

Was versteht man unter Textprozeduren?

In der textprozedurenorientierten Schreibdidaktik von Helmuth Feilke (u. a. 2014) versteht man unter Textprozeduren neben den Schreibprozeduren, die sich auf die routinisierten Vorgehensweisen bzw. ▪ Schreibstrategien beim Schreiben an sich beziehen (z. B. ▪ Versionen schreiben, ▪ Schritt für Schritt schreiben usw.), eine der beiden literalen Prozeduren, die beim Schreiben angewendet werden.

Sie vermitteln zwischen Schreibprozess und Schreibprodukt; Textprozeduren "beziehen sich auf den Text und dessen Komposition " und "betreffen die kommunikativ-sprachlichen Handlungskomponenten des zu schreibenden Textes (z. B. Einleitung, Gliederung, Argumentation etc.)" (Feilke 2014, S. 20). Die textlichen Handlungsschema erwachsen daraus, wie in Texten von der Sprache Gebrauch gemacht wird und "verbinden sich mit typischen grammatischen Konstruktionen, lexikalischen Wendungen und satzübergreifenden Mustern der Textorganisation zu Textprozeduren als den Werkzeugen der Textbildung und des Schreibens." (Feilke/Bachmann 2014, S.8) Oder noch pointierter formuliert: "Im Kern sie sie die Organisationseinheiten, in denen kommunikatives Handeln und die Mittel des sprachlichen Ausdrucks miteinander verknüpft sind." (Bachmann 2014, S.50)

Textprozeduren besitzen, vereinfacht gesagt, dabei also immer zwei Dimensionen, die mit den einfachen W-Fragen "Was muss ich tun? und "Wie mache ich das?" Handlungsschemata und sprachliche Ausdrücke (Prozedurausdrücke) aufeinander in einer indem-Relation aufeinander beziehen lassen (vgl. ebd., S.52, Hervorh. d. Verf.), wie sie dem nachfolgenden Beispiel eines ▪ Reklamationsbriefs mit seinem für die Textsorte typischen konventionelle Zusammenstellungsmuster von Texthandlungen zugrunde liegt, das zugleich den vierstufigen Aufbau solcher Indem-Relationen in bestimmten Textsorten verdeutlicht. verdeutlicht:

Ich schreibe einen Reklamationsbrief, indem ich den Mangel einer Sache beanstanden (textsortentypische Texthandlung), indem ich mich auf die Lieferung der Ware beziehe (Handlungs-/Gebrauchsschema), indem ich die noch immer ausstehende Lieferung baldmöglichst verlange (Prozedurausdruck).

Als "mit Textgestaltungspotentialen 'geladene' Ausdrucksmuster" (ebd.) besitzen Textprozeduren "generatives Potential" (Feilke 2014, S. 14) und stellen vergleichsweise stabile, "routinehafte funktionale Textbausteine" (Feilke/Rezat 2020) dar, die für die Textproduktion, aber auch Textrezeption eingesetzt werden und sich auf der sprachlichen Textoberfläche in Prozedurausdrücken für bestimmte Textmuster bzw. in bestimmten Textsorten zeigen.

Die Prozedurausdrücke, auch Routineausdrücke genannt, sind in der textprozedurenorientierten Schreibdidaktik Bezeichnungen für bestimmte sprachliche Ausdrücke auf der Textoberfläche, die bestimmte • Texthandlungstypen auszeichnen. Solche Texthandlungstypen stellen mit ihren Subhandlungsschemata (indem-Relationen) die Grundlage für bestimmte ▪ globale Textmuster und/oder Textsorten dar, die ein/e Rezipient*in bei der Rezeption eines Textes nutzt und als  Schreiber*in für die eigene Textproduktion verwendet.

Prozedurausdrücke (Routineausdrücke) fungieren somit als eine Art Textbildungsmittel, das Leerstellen enthält, die bei komplexen Äußerungen gefüllt werden. Sie können lexikalisch, syntaktisch oder grammatisch gebildet werden und sind gekoppelt an die Funktionen, Kontexte und Schemata für den Gebrauch der jeweiligen Textprozedur.

So entsprechen die Prozedurausdrücke einerseits - andererseits und das spricht dafür - das spricht dagegen der Textprozedur des • Abwägens, zwar - aber markiert die Texthandlung • Konzedieren, die wiederum als • Subhandlungschema (indem-Relation: Ich argumentiere, indem ich etwas einräume) auf den • Texthandlungstyp Argumentieren verweist.

Die Prozedurausdrücke sind dabei als Textbausteine auch stilistisch geprägt und beruhen auf der Wahl bestimmter sprachlicher Formulierungen aus einem ▪ Stilregister, so z. B. in einem ▪ privaten Geschäftsbrief das ▪ Anrederegister mit der Wahl zwischen einem ▪ förmlichen, ▪ freundlichen oder ▪ familiären Stil (vgl. Hoffmann 2017 , S.230) 

Auch wenn der Begriff der literalen Prozedur seit 2012 im Rahmen der Entwicklung des prozedurenorientierten Ansatzes in der Schreibdidaktik ähnlich wie bei den Begriffen der Textroutine, Formulierungsroutine durch den Begriff der ▪ Textprozedur weitgehend ersetzt worden ist, (vgl. Feilke 2014, S. 11) ändert sich an der Tatsache nichts, dass es dabei darum geht, Schreibprozesse beim Verfassen von Texten einer spezifischen • Textsorte mit "vorgeformten Strukturen" (Gülich/Krafft 1998, 14ff.) zu routinisieren.

Vierstufigkeit der Indem-Relationen

In den verschiedenen Textsorten, die unter dem Blickwinkel der textprozedurenorientierten Schreibdidaktik variable und zugleich konventionelle Zusammenstellungsmuster bestimmter Texthandlungstypen mit ihren jeweiligen Subhandlungsschemata darstellen, lassen sich vereinfacht vier Stufen von Indem-Relationen auf verschiedenen Ebenen feststellen.

Feilke (2014, S.24) hat dies am Beispiel des • Texthandlungstyps Argumentieren als Abfolge von Textsorte à Texthandlungstypen à  Subhandlungsschemata à zugeordneten typischen Prozedurausdrücken wie folgt dargestellt (das Beispiel wurde hier ergänzt):


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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 13.01.2024

 
 

 
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