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Portfolio

Selbstbeurteilung

 
 
 

Portfolioarbeit verlangt, um ihre Ziele erreichen zu können, ein hohes Maß an Selbstreflexion durch den Lernenden selbst. Diese Selbstreflexion trägt ganz entscheidend zum Charakter eines Portfolios bei, der sich eben nicht allein in der wohlgeordneten Sammlung von Materialien erschöpft. Bei der Selbstreflexion oder Selbstbeurteilung soll sich der Lernende im Nachhinein, über den Lerngegenstand und den Prozess seines Lernens Gedanken machen. Da aber gerade diese Fähigkeiten meist vergleichsweise schlecht entwickelt sind (metakognitive Fähigkeiten), bedarf es einiger Übung und auch einiger Geduld, ehe man hier zu Ergebnissen kommt, die einen weiterbringen. (vgl. Beurteilungskriterien)

Grundsätzlich gilt: Selbstreflexionen müssen in ganzen Sätzen und in Form eines zusammenhängenden Textes abgefasst werden. Wenn die Gedanken dabei fließen sollten, muss man sich dafür Zeit und Ruhe gönnen und den Gedanken auch einen angemessenen Raum (Länge) geben.

Wie häufig eine Selbstbeurteilung abgefasst werden sollte, kann an dieser Stelle nicht verbindlich festgelegt werden. Allenfalls lässt sich sagen: Selbstbeurteilungen sind immer dann sinnvoll, wenn bestimmte Abschnitte im Lernprozess so abgeschlossen sind, dass man seine Ergebnisse und seinen Verlauf bis dahin überblicken kann. Selbstbeurteilungen sind in diesem Sinne also kein Lerntagebuch. Auf jeden Fall sollte am Ende der Portfolioarbeit eine Selbstbeurteilung des gesamten Lernprozesses stehen.

Was über das eigene Lernen gesagt wird, soll möglichst konkret sein. Es hilft im Allgemeinen wenig, allgemeine Äußerungen wie die folgenden zu machen: "Ich habe viele neue Sachen gelernt." oder "Ich sollte künftig besser aufpassen."

Die Selbstreflexion sollte sich auf die Gegenstände bzw.Lerninhalte des Portfolios beziehen und damit den Lernprozess nachvollziehbar machen. So könnte z. B. eine Äußerung über die Erstellung eines Protokolls über die Gruppenarbeit, das im Portfolio abgeheftet ist, sein:

Selbstbeurteilung

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Ich finde, dass ein solches Gruppenarbeitsprotokoll viel Sinn macht. Dann weiß eben jeder, auch wenn er zum Beispiel mal fehlt, was die anderen gemacht haben und wie die Aufgaben verteilt werden. Nicht ganz klar ist mir allerdings, warum das Ganze so eine strenge Form haben soll. Außerdem weiß ich manchmal nicht recht, was ins Protokoll gehört. Wenn zwei von uns unterschiedliche Meinungen haben, gehört das dann auf jeden Fall rein? Ich muss mich also noch mal über das Protokollschreiben informieren. Das mache ich auf der Webseite von teachSam. Außerdem werde ich mich mit den anderen Gruppenmitgliedern in der nächsten Sitzung, am Donnerstag, darüber absprechen.
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Die Selbstreflexion sollte stets auch die verwendeten Arbeitstechniken mit einbeziehen. Dies könnte z. B. wie folgt aussehen:

Selbstbeurteilung

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Um den Inhalt des Textes zu erarbeiten, bin ich mit zwei verschiedenen Methoden vorgegangen. Zunächst habe ich es mit der W-Fragen.Methode probiert, bin aber irgendwie nicht damit zu recht gekommen. Mir fielen einfach keine passenden Fragen ein, auf die bestimmte Sinnabschnitte des Textes antworten. Dann habe ich das mit der Aussagenliste probiert. Das ist wirklich mühsame Kleinarbeit, aber ich denke, dass es für mich bei der Arbeit mit diesem komplizierten Text doch das Richtige war. So habe ich wenigstens Stück für Stück "auseinandergefrimelt", was in dem Text eigentlich drinsteht.
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Als nicht weniger hilfreich erweisen sich häufig Gedanken über die Arbeitsorganisation bzw. das Umfeld, in dem das Lernen stattgefunden hat. So ist es vielleicht wichtig, sich klarzumachen, was unter Umständen die Konzentration in welcher Weise beeinträchtigt hat:

Selbstbeurteilung

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Beim Verfassen der Inhaltsangabe zum Text habe ich Schwierigkeiten gehabt, mich auf die Sache zu konzentrieren. Das ist, so glaube ich nämlich, der Hauptgrund, weshalb mir das auch nicht so recht gelungen ist. Kurz bevor ich hingesetzt habe, um die Inhaltsangabe zu schreiben, hatte ich einen heftigen Streit mit meinem Vater. Und das, was er mir vorgeworfen hat, ging mir einfach die nächsten Stunden nicht aus dem Kopf. Eigentlich war ich stinksauer. Kein Wunder also, das das mit der Inhaltsangabe schief gegangen ist. Wenn wieder so etwas vorkommt, werde ich künftig eine Pause einlegen, um meine Wut wieder etwas abzukühlen.
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Auch das Verhalten in einer eventuell bestehenden Arbeitsgruppe sollte reflektiert werden. Es könnt wie folgt aussehen:

Selbstbeurteilung

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Das Arbeiten mit den anderen in der Gruppe hat mir bisher Spaß gemacht und der Austausch mit den anderen, insbesondere mit Manuel, hat mir sehr weitergeholfen. Er erklärt alles sehr gut und lässt sich dabei so viel Zeit, dass es jeder verstehen kann. Nur eines macht mir Probleme: Meistens kommen die beiden anderen mindestens eine Viertelstunde zu spät. Das ärgert mich sehr, weil ich, da ich so weit weg wohne, immer schon sehr früh den Bus nehmen muss, um pünktlich zu sein. In einem Gespräch mit den anderen muss ich noch mal darauf aufmerksam machen.
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Schließlich kann auch das Verhältnis zum Lehrer oder der Lehrerin Gegenstand der Selbstreflexion werden:

Selbstbeurteilung

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Herr Kocher hat mehrmals darauf aufmerksam gemacht, dass wir uns an den aufgestellten Arbeitsplan halten sollen. Das mag ja sein. Wegen der Art aber, wie er mit uns redet, haben wir jetzt alle überhaupt keine Lust mehr. Das hilft jedoch nicht weiter. Ich denke, unsere Gruppe muss mit ihm einmal darüber reden.
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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 01.08.2017
 

 
      
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