Thomas
Häcker beschreibt in einer persönlichen Stellungnahme zur Arbeit mit
Portfolios über das Befremden, das ihn, nach Schulbesuchen in Schottland
und USA, angesichts der in deutschen Schulen herrschenden Lernkultur
ergriffen hat: "Die 'Künstlichkeit' der Schule entpuppte sich als ein
durchdringender Zwangskontext, sein zentrales Thema waren die Noten. In
der Schule zählten nur der Erfolg und alles, was ihm diente. Er
beeinflusste das Selbstbild der Schüler, das Klima innerhalb ihrer
Familien und bestimmte schließlich ihre späteren beruflichen Chancen. Als
Lehrer fand ich mich in dem ständigen Bemühen. die Mitte zwischen der für
den Lehr-Lern-Prozess notwendigen Nähe und einer für den
Beurteilungsprozess ebenso notwendigen Distanz zu meinen Schülern
auszubalancieren. Tagtäglich sah ich mich vor die widersprüchliche
Aufgabe
gestellt, Unterschiede auszugleichen und gleichzeitig herstellen zu
sollen. Viele Schüler schienen am Sinn des Lernens in der Schule zu
zweifeln. Sie lernten, was von ihnen verlangt wurde, wickelten
Aufgabenstellungen sehr formal ab, entwickelten aber meist keinerlei
erkennbaren Bezug zu den Inhalten des Lernens. Vieles davon blieb für sie
offensichtlich ohne jede Bedeutung.
Andere Schüler zeigten eine eigentümliche Mischung aus Lernwillen und
Lernverweigerung. Solches 'widerständiges Lernen' belastete unser
Lehrer-Schüler-Verhältnis zum Teil erheblich." (Häcker
2006, S.15)