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Analysemodelle visueller Karikaturen

Überblick

 
 
  Es gibt verschiedene Modelle zur Analyse visueller Karikaturen. Sie unterscheiden sich je nach Fachwissenschaft oder Fachdidaktik voneinander.
  • Weit verbreitet sind (massen-)kommunikationstheoretisch fundierte Analysemodelle, wie sie z. B. vor allem im historisch-politischen Unterricht verwendet werden (→Analyse mit Hilfe der erweiterten Lasswell-Formel. Sie sind zwar nicht mehr an der Einseitigkeit des Kommunikationsvorgangs vom Sender zum Empfänger orientiert, behalten aber die Konzeption der Mehrstufigkeit der Kommunikation bei. Zugleich bleibt die konstruktive Leistung des Empfängers bei der Rezeption weitgehend ausgeklammert.

  • Werden Karikaturen in der historischen Publizistik zum Gegenstand der Forschung, z. B. wenn die Geschichte bestimmter satirischer Zeitschriften wie der deutsche »Kladderadatsch, der österreichische »Kikeriki, die deutschen »Fliegenden Blätter, der englische »Punch, das russische »Krokodil, der französische »Le Charivari, der deutsche »Simplizissimus) untersucht werden, dann stehen bei der Analyse einzelner Karikaturen Inhalt und Funktion im Mittelpunkt. Untersucht werden dann statt strukturaler Gesichtspunkte Aspekte wie Motive, Feindbilder u. ä. m.

  • Der Kunstgeschichte geht es bei ihren Analysen von Karikaturen vornehmlich darum, die Entstehung der Karikatur als Gattung im Bereich der Bildenden Kunst oder aber den Stellenwert von Karikaturen im Gesamtwerk eines Künstlers zu untersuchen.

  • Auch die Volkskunde befasst sich mit Karikaturen, stellt aber dann gewöhnlich den Inhalt der Karikaturen, den sie als wichtiges Zeugnis der Volkskultur ansieht, in den Mittelpunkt und befasst sich daher nur wenig mit den Strukturen von Karikaturen.

  • Die Literaturwissenschaft befasst sich im Allgemeinen nur wenig mit visuellen Karikaturen. Die so genannten literarischen Karikaturen, die sie ins Blickfeld nimmt, gehören als Kunstform zum Gesamtbereich des "Satirisch-Komischen", genauer jenem Bereich von "literarischen, bildlichen, filmischen usw. Äußerungen, die moralische Verfehlungen, bestimmte Sitten und Gebräuche, persönliche Eigenheiten, Überzeugungen usw. kritisch, polemisch und spöttisch in der Absicht auf Besserung oder auch lediglich der witzigen Wirkung halber thematisieren." (Trappen 2006, S.361)

  • In der Linguistik befassen sich die Text- und Pragmalinguistik mit Karikaturen. Auch wenn sie das Kommunikat "Karikatur" zum Gegenstand ihrer Forschung machen, "verlaufen die selbstgezogenen Grenzen meist entlang des verbalen Kodes und grenzen damit die Linguistik ab." (Riszovannij 2008, S.25)

Während davon auszugehen ist, dass im historisch-politischen Unterricht aus mancherlei fachdidaktischen und fachmethodischen Gründen die Analyse mit Hilfe der erweiterten Lasswell-Formel weiterhin dominieren wird, könnte, insbesondere im Deutschunterricht, ein Ansatz an Bedeutung gewinnen, der Karikaturen als multikodales Zeichensystem auffasst.

Das kultursemiotische Modell der Karikaturanalyse

Die Semiotik, die Zeichenwissenschaft, besser noch die Kultursemiotik, eignet sich in besonderer Weise für die Analyse von Karikaturen, da sie inhaltliche, kommunikative und strukturelle Eigenschaften bei ihren Untersuchungen berücksichtigt. Mihály Riszovannij (2008, S.26) begründet dies wie folgt:

"Als multikodale Zeichensysteme liefern Karikaturen Beispiele für die Funktionsteilung von verbalen und nonverbalen Komponenten. Die komische Wirkung entsteht durch semantische und pragmatische Mechanismen im Text. Auch die Normverletzungen setzen kulturelle Kodes voraus, die historisch und daher dynamisch sind. Der Zusammenhang von Inhalten, Motiven, zeichnerischen Techniken und Realisierungsmitteln lenkt die Aufmerksamkeit auf die komplexen Darstellungstechniken und Verweisstrategien. Die multimediale Betrachtungsweise ermöglicht die Analyse des Karikierens im Medienvergleich. Zu den Zielen von semiotischen Ansätzen gehört daher die Beschreibung der Karikaturen als Textsorte und Zeichenprodukt, sowie des Karikierens als Gestaltungsprinzip. Dies geschieht unter Berücksichtigung der strukturellen und kommunikativen Aspekte im Medien- und Kulturvergleich und ermöglicht die Formulierung spezifischer, autoren- oder themenbezogener Fragestellungen. Eine komplexe kultursemiotische Analyse der Karikatur, die Inhalte, Realisierungsmittel und die zugrunde liegenden Kodes mit berücksichtigt, konzentriert sich auf folgende Fragen:

  1. Wie ist die Rollenverteilung der verbalen und bildlichen Elemente?
  2. Welche Normen liegen dem Prozess des Karikierens zugrunde?
  3. Wie entsteht der komische Effekt in diesem multikodalen System?
  4. Wie entfalten Karikaturen ihre Wirkung als Teil der gesellschaftlichen Kommunikation?

Die erste Frage verlangt nach einer strukturellen Erklärung des Kodes, die zweite nach einer kommunikativ erweiterten Theorie des Humors, die dritte und vierte nach einer »Diskursanalyse der Karikatur«"

 


 

 
     
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